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Auflösung traditioneller Muster des Zusammenlebens
gesellschaftlicher Zusammenhalt möglich sein kann.
Die frühesten Theoretiker der Sozialisation waren zwei
Soziologen. Der deutsche Georg Simmel (18581918) und
sein französischer Kollege Emile Durkheim (18581917)
gelten als die wissenschaftlichen Begründer des Konzepts
»Sozialisation«. Beide trieb vor allem die Frage um, wie
moderne Gesellschaften, die durch schnelle und intensive
Industrialisierung immer komplexer werden, ihre soziale
»Kohäsion« (also die soziale Zusammengehörigkeit) sichern
können.
Die Theorie der Vergesellschaftung von Georg Simmel
Georg Simmel nimmt zur Klärung dieser Frage das
grundlegende Phänomen der Entstehung von
Gesellschaften in den Blick. Dass Gesellschaften überhaupt
entstehen können, erklärt er dadurch, dass sich Menschen
ständig wechselseitig beeinflussen, also aufeinander
einwirken. Theoriegeschichtlich gesprochen ist dies der
Beginn einer interaktionistischen Perspektive in der
Soziologie (s. auch in der späteren Beschreibung hierzu).
In den Blick kommt damit ein Geflecht von Regeln und
Abhängigkeiten, an deren Entstehung und
Aufrechterhaltung Menschen aktiv beteiligt sind. Dies
bildet den Grundstein für gesellschaftliche Strukturen. Jede
und jeder Angehörige der Gesellschaft ist in diesem Sinne
ein »vergesellschaftetes Individuum«. Die
Vergesellschaftung wird von Simmel auch als
»Socialisierung« bezeichnet (Simmel 1890/1989). Im Kern
versteht er darunter den Vorgang, die soziale Gesamtheit in
die individuelle Persönlichkeit aufzunehmen. Jede
Gesellschaft braucht nach seiner Einschätzung ein
einheitliches soziales Bewusstsein ihrer Mitglieder, auch
wenn sie unterschiedlichen sozialen Kreisen angehören
und individuell höchst verschieden sind, weil die
Gesellschaft als Gemeinwesen sonst auseinanderbricht.