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Hochuli Freund
31.7.17 S. 116
Teil 1 Konzeptionelle Grundlagen
zept KPG. Nachfolgend werden zuerst die Grundzüge einer Systemischen Arbeit skizziert, um auf dieser Basis Bedeutung und Funktion von systemischen Hypothesen darzulegen. In der aktuellen Literatur ist häufig von systemischer Therapie und Beratung die Rede (z. B. von Schlippe/Schweitzer 2016), wobei unterdessen auch einige Lehrbücher auf die Systemische Soziale Arbeit zugeschnitten wurden (z. B. Hosemann/Geiling 2013). In diesem Kapitel findet eine Bezugnahme auf die systemische Arbeit im Allgemeinen und systemische Soziale Arbeit im Besonderen statt.
3.1
Grundzüge einer systemischen Sozialen Arbeit
Die Systemtheorie kann grundsätzlich als Werkzeug und eine besondere Art von Nachdenken verstanden werden, mit dem grossen Vorteil dabei die Umwelt miteinzubeziehen. Die Besonderheiten systemischen Denkens sind ihr Blick auf Relationen, Rückwirkungen und zeitliche Prozesse: Von Interesse sind dabei insbesondere Beziehungen, Zirkularität sowie Stabilität und Veränderungen (vgl. Hosemann/Geiling 2013:7ff.). Ausgangspunkt systemischer Überlegungen sind Systeme, wobei es Systeme als solche eigentlich gar nicht gibt, vielmehr werden diese in unserer Wahrnehmung als Orientierungshilfe konstruiert (Schwing/Fryszer 2013:22f.) »Ein System ist nicht Etwas, das dem Beobachter präsentiert wird, es ist ein Etwas, das von ihm erkannt wird«. (Maturana 1982, in: von Schlippe/Schweitzer 2016:146)
Charakteristisch für systemische Therapie und Beratung sind neben dem konsequenten Einbezug des sozialen Umfelds die Überzeugung, dass jedes Symptom einen Sinn hat, die Orientierung an Ressourcen und Stärken sowie der Fokus auf Lösungen anstelle von Problemen (vgl. Schwing/Fryszer 2013:11f.). Ein zentrales Element systemischen Intervenierens sind Fragen. Wer fragt, regt sein Gegenüber an weiterzudenken und ermöglicht damit Veränderung. In der systemischen Arbeit geht es darum, Wirklichkeitsbeschreibungen zu erweitern, die in einem sozialen System vorgenommen werden (vgl. von Schlippe/Schweitzer 2010:40f.). Durch Fragen wird die gewohnte Sicht der Dinge potenziell verstört, es werden neue Interpretationen von Wirklichkeit angeboten und neue Betrachtungsweisen angeregt. Damit befinden sich Klientinnen und ihre Berater in einem ständigen wechselseitigen Austausch von Wirklichkeitszuschreibungen (vgl. von Schlippe/Schweitzer 2016:249). Auf die vielfältigen systemischen Fragen im Konkreten kann in diesem Artikel nicht näher eingegangen werden. Grundsätzlich ist es schwierig, die systemische Praxis konkret zu beschreiben, ihre Konzepte sind einerseits nicht direkt umsetzbar und andererseits nicht als rein handwerklicher Satz von Techniken zu verstehen. Zentral sind die Person des systemischen Praktikers, die Beziehung zum Ratsuchenden sowie der Kontext, in dem systemisch gearbeitet wird (vgl. ebd.:199). Von Schlippe und Schweitzer formulieren auf dieser Basis elf grundlegende, das konkrete Handeln inspirierende Prämissen und Haltungen: Die Arbeitsbeziehung zwischen systemischem Praktiker und Ratsuchender ist vertrauensvoll und kooperativ zu gestalten, in Beratungen geht es grundsätzlich darum, Möglichkeitsräume zu ver116