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Abschliessende fachliche, kritische Reflexion des gesamten Gestaltungsprozesses ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 332](/book/arbeit/332)). «Auswerten, Bilanz ziehen und daraus lernen» — das sind die abschliessenden Aufgaben bei jedem Unterstützungsprozess ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 332](/book/arbeit/332)).
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### Reflexion ≠ Zusammenfassung
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Die Reflexion ist **keine blosse Zusammenfassung** des bisherigen Vorgehens, sondern eine bewertende, kritische Rückschau. Reflexion bedeutet, Distanz zum eigenen Handeln zu gewinnen und es mit fachlichem Blick zu beurteilen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 335](/book/arbeit/335)). Die Begriffe Reflexion und Evaluation sind wenig trennscharf — Reflexion gilt als allgemeine, im Habitus verankerte Aufgabe, Evaluation dagegen als strukturierte, kriteriengeleitete Überprüfung, die Reflexionsfähigkeit voraussetzt.
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### Vier Reflexionsdimensionen
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**1. Fachliches und methodisches Vorgehen inkl. Zirkularität**
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Reflektiere dein fachliches Vorgehen über den gesamten Gestaltungsprozess. Kernfrage: Wie haben die einzelnen Prozessschritte zusammengewirkt?
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- **Zirkularität:** Der KPG-Prozess ist nicht linear, sondern zirkulär — Erkenntnisse aus späteren Schritten können früherer Schritte in Frage stellen und eine Rückkehr erfordern ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 344](/book/arbeit/344)). Wo hast du Schritte wiederholt? Wo hätte eine Rückkehr geholfen?
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- Welche Bedeutung/Relevanz haben Theorien und Fachwissen für deine Praxis? Stärken/Schwächen? Welche alternativen Theorien wären geeignet?
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- Welche Bedeutung/Relevanz haben die beigezogenen methodischen Zugänge? Stärken/Schwächen? Welche anderen Zugänge wären geeignet?
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**2. Kooperation**
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Reflektiere die Zusammenarbeit auf zwei Ebenen:
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- **Klient*innenspezifisch:** Wie gelang die Zusammenarbeit mit dem Klient*innensystem? Wo waren Schwierigkeiten? Wie wurde das Prinzip der Koproduktion umgesetzt? ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 344](/book/arbeit/344))
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- **Intra-/interprofessionell:** Wie gelang die Zusammenarbeit im Team (intraprofessionell) und mit anderen Berufsgruppen (interprofessionell)? Wie wurde Multiperspektivität sichergestellt? ([Praxis: Kooperation und Multiperspektivität, S. 90](/book/praxis/90))
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**3. Eigene Rolle als Fachperson**
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- Wie ist es dir gelungen, deine Rolle als Fachperson zu gestalten?
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- Welche Werte und Haltungen haben dich geleitet? Welche Auswirkungen hatten diese? Haben sie sich verändert, bestätigt, differenziert?
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- Nähe-Distanz-Verhältnis: Wo bist du an Grenzen gestossen? Was hat dich persönlich herausgefordert?
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- Umgang mit Ungewissheit und Macht in der Beziehung zu Klient*innen
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**4. Konsequenzen und zentrale Erkenntnisse**
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- Welche Schwierigkeiten haben sich im Handlungsprozess ergeben? Woran könnte dies gelegen haben? Wie bist du damit umgegangen?
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- Was hätte rückblickend noch berücksichtigt werden können?
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- Was würdest du in einer ähnlichen Situation genauso machen? Was anders? Warum?
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- Welche zentralen Erkenntnisse nimmst du für dein weiteres professionelles Handeln mit?
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- Gibt es einen Fallabschluss oder Weiterführung? Was sind die nächsten Schritte?
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Diese Dimension wird am höchsten gewichtet. Es geht um eine Gesamtschau und die Frage, was gelernt werden kann, wenn die Erkenntnisse insgesamt betrachtet werden ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 344](/book/arbeit/344)).
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### EPG-Leitfragen zur Unterstützung
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Die EPG formuliert sieben Leitfragen zur Reflexion:
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1. Welche Bedeutung/Relevanz haben Theorien/Fachwissen für meine Praxis? Stärken/Schwächen?
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2. Welche Bedeutung/Relevanz haben die beigezogenen methodischen Zugänge? Stärken/Schwächen?
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3. Wie ist es mir gelungen, meine Rolle als Fachperson zu gestalten?
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4. Welche Werte, Haltungen haben mich geleitet? Auswirkungen? Veränderung?
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5. Welche Schwierigkeiten haben sich ergeben? Woran könnte dies gelegen haben?
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6. Was hätte ich rückblickend noch berücksichtigen können?
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7. Was würde ich genauso und was anders machen? Weshalb?
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### Tipps
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- **Evaluation als organisierte Pause:** Fallbezogene Evaluation ist eine bewusst organisierte Unterbrechung, die es ermöglicht, aus der Eigendynamik auszusteigen und Distanz zu gewinnen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 338](/book/arbeit/338)).
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- **Fehlerfreundlichkeit:** Die Offenheit, eigene Fehler zuzugeben, kann Klient*innen von Versagensgefühlen entlasten und einen neuen Möglichkeitsraum eröffnen ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 337](/book/arbeit/337)).
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- **Evaluation bezieht sich auf alle Prozessschritte** und diese wiederum auf die Evaluation — sowohl als abschliessende Gesamtevaluation wie auch als kurze Auswertung jedes einzelnen Schritts ([Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 336](/book/arbeit/336)).
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- **Gemeinsame Evaluation mit Klient*innen:** Trotz struktureller Machtasymmetrie eine Atmosphäre schaffen, in der ehrliche und kritische Rückmeldungen möglich sind.
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- Nutze die **Reflexionsnotizen**, die du während der Arbeit an früheren Prozessschritten gesammelt hast — sie bilden eine wertvolle Grundlage für die abschliessende Reflexion.
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