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Hochuli Freund
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31.7.17 S. 227
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»Sprechen ist schwierig«
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chen kann und anderseits das Umfeld zu ermutigen, nicht mit den Ängsten
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mitzuschwingen?
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Ich bat Lea um ein Gespräch und habe ihr meine erklärenden Hypothesen vereinfacht und mit Hilfe von Beispielen erklärt. Ich versuchte ihr aufzuzeigen,
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was man in der Forschung herausgefunden hat zu den verschiedenen Themen,
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die bei ihr gerade aktuell sind. Auf Grund aktueller Ereignisse – wie beispielsweise ihrer Angst, an der Karnevalfeier teilzunehmen – erklärte ich ihr mögliche
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Konsequenzen von Ängsten oder die Bedeutung der Selbstwirksamkeit und wie
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sich diese auf das Verhalten auswirken kann. Die Hypothese über die Eltern
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habe ich bewusst weggelassen, da ich Herrn und Frau Müller vor ihrer Tochter
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nicht in ein schlechtes Licht rücken möchte. Lea hörte aufmerksam zu und bestätigte meine Aussagen. Beim Punkt, was fehlende Kontakte zu Gleichaltrigen
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auslösen können, wurde sie nachdenklich. Ich zeigte ihr auch eine vereinfachte
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und umformulierte Arbeitshypothese:
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Wenn Du im Umgang mit den anderen Kindern immer wieder kleine Erfolgserlebnisse machen kannst, dann werden Deine Ängste immer kleiner,
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und es gelingt Dir zunehmend Kontakt zu anderen aufzunehmen, Freundschaften zu schliessen und selbstbewusster zu werden.
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Sie erzählte von Situationen, in denen es ihr gelungen ist, Kontakt aufzunehmen
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und mit anderen Kindern zu sprechen und meinte, dass diese Erlebnisse sie gestärkt hätten. Daher möchte Lea weitere solche Erfolge erleben. Auch ihre
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Ängste möchte sie konkretisieren und benennen, damit sie diese schrittweise
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überwinden kann.
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Reflexion
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Bereits während der Arbeit an der Analyse kamen mir verschiedene Theorien in
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den Sinn, die sich eignen würden um den Fall zu erhellen. Mit diesem Fachwissen setzte ich mich in der Diagnose vertieft auseinander. Dabei fielen mir immer
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wieder Parallelen zu Lea auf. Ich hatte verschiedene Aha-Erlebnisse, da ich
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plötzlich mögliche Erklärungen für ihr Verhalten fand und mir Zusammenhänge bewusstwurden. Es war hilfreich, verschiedene Perspektiven einzunehmen,
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damit ich mich nicht immer nur um das Thema selektiven Mutismus drehte.
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Zu erkennen, wie wichtig Peerbeziehungen sind, bestärkte mich darin, dass dies
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eine angemessen Zielrichtung ist (zumal Therapie des selektiven Mutismus
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nicht in meiner Zuständigkeit liegt). Ich habe gemerkt, dass alle Aspekte der
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Fallthematik miteinander verknüpft sind und sich irgendwie bedingen. Der interprofessionelle Austausch mit der Psychologin in diesem diagnostischen Prozess war bereichernd; wir konnten über die Fallthematik diskutieren, und sie
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liess ihr Fachwissen einfliessen.
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