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Hochuli Freund

31.7.17 S. 98

Teil 1 Konzeptionelle Grundlagen

Handelns besteht im Handeln gemeinsam mit Klienten. Im Folgenden werden Bedingungen und Möglichkeiten der Gestaltung der Kooperation mit Klientinnen vor dem Hintergrund des Konzepts KPG (Hochuli Freund 2015) thematisiert.

3.1

Koproduktion, Motivation und Arbeitsbeziehung

Die Koproduktion kann unter sehr unterschiedlichen Voraussetzungen erfolgen. Am einfachsten ist die Situation, wenn Klientinnen als eigenständige Nutzerinnen eine Dienstleistung der Sozialen Arbeit nachfragen (z. B. in einem Frauenhaus). Zu den ersten Aufgaben der Sozialpädagogin gehört es, den Auftrag zu klären und eine Arbeitsbeziehung aufzubauen, als Basis für eine aufgabenbezogene, zielorientierte gemeinsame Arbeit (vgl. Hochuli Freund/Stotz 2015:151ff.). Sie wird versuchen, die Sichtweise der Klientinnen aufzunehmen, ihre konkreten Anliegen zu erfahren, die Schwierigkeiten, mit denen sie ringen, die Veränderungswünsche, auf Grund deren sie sich an die Einrichtung gewandt haben. Die Voraussetzungen von Freiwilligkeit, eigenem Anliegen und intrinsischer Veränderungsmotivation (vgl. Klug/Zobrist 2013:20, 27) sind jedoch längst nicht in allen Praxisfeldern der Sozialen Arbeit gegeben. Oft lassen die Umstände und/oder die eigenen Möglichkeiten der Lebensführung keine andere Wahl, als eine Einrichtung der Sozialen Arbeit aufzusuchen (beispielsweise den Sozialdienst, eine sozialpsychiatrische Klinik). Manchmal werden Menschen von ihrem Umfeld dem Ehepartner, der Arbeitgeberin beispielweise dazu gedrängt, eine Suchtberatungsstelle aufzusuchen, oder sie werden als Kinder in einem Heim oder im Rahmen einer Strafmassnahme in einer Einrichtung des Massnahmenvollzugs platziert. Hier kann nicht davon ausgegangen werden, dass diese Klienten ein eigenes Anliegen an die Professionellen der Sozialen Arbeit haben: »Es gehört zu den Konstitutionsbedingungen Sozialer Arbeit, die Klienten zunächst so zu akzeptieren, wie sie sind, also keine Eingangsmotivation zu erwarten, sondern eine Veränderungsmotivation mit ihnen zu erarbeiten« (ebd.:25).11 Für die Professionellen gilt es also zunächst, die Klientinnen für die gemeinsame Arbeit zu gewinnen und sei es mit dem programmatischen Satz, den Conen und Cecchin (2013) als Titel für ihr Buch gewählt haben: »Wie kann ich Ihnen helfen, mich wieder loszuwerden?« Sie müssen zunächst einseitig ihre eigene Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit unter Beweis stellen ihre »Accountability Verlässlichkeit«, wie Clark es nennt (1998:49f., zit. in Gehrmann/Müller 2002:22).12 Ein weiteres wichtiges Element für den Aufbau einer Arbeitsbeziehung ist echtes Interesse an der Person der Klientin, 11 Oder, wie es in einem eindringlichen Appell an die Sozialpädagoginnen bei Thiersch (2002:216) heisst: »Es kommt darauf an, Vertrauen zu gewinnen und den Willen zur Veränderung erst zu wecken.« 12 Ausserdem führt Clark (1998) in seinem methodischen ABC für die Arbeit mit »Erwachsenen, die nicht kooperieren wollen« zwei grundlegende Fragen auf, die der Klient beantworten solle: »1. Wie bin ich in die gegenwärtige schwierige Lage hineinge-

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