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Hochuli Freund
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31.7.17 S. 78
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Teil 1 Konzeptionelle Grundlagen
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Diese unvollständige Aufzählung möglicher Strukturierungsformen macht bereits deutlich: Nicht jede Struktur-Entscheidung wird der moralischen Qualität
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der professionellen Handlungsprozesse in der Sozialen Arbeit gerecht.
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So berichtete eine Studentin, die ihr Praktikum in einer stationären Organisation für Knaben mit psychosozialen Auffälligkeiten absolvierte, in einer
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Fallbesprechung von einem neunjährigen Knaben, der während seines einjährigen Aufenthalts in der Organisation auf Grund tätlicher Angriffe gegen andere Kinder bereits mehrmals mit einem jeweils dreiwöchigen ›Time-out‹Aufenthalt auf einem abgelegenen Bauernhof bestraft worden war. Das Verhalten des Knaben ›besserte‹ sich durch diese Bestrafungen aber nicht – im
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Gegenteil, es schien, als würden die Abstände zwischen den Vorfällen immer
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kürzer werden. Auf Grund der organisationalen Vorgaben bestand keine Alternative zur vorgegebenen Handlungsweise: Tätliche Angriffe unter den
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Kindern mussten immer direkt und ohne Ausnahme mit einem ›Time-out‹Aufenthalt sanktioniert werden.
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Die Handlung der Studentin wird im Beispiel durch eine organisationelle Standardisierung strukturiert, und das betroffene Kind wird einem starren Verfahren ausgeliefert, das ganz offensichtlich nicht dazu geeignet ist, zum guten Leben aller Beteiligter beizutragen. Genau hier ist ethische Reflexion notwendig,
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um die professionelle Qualität der Begleitung (wieder) sicherzustellen. Die Motivation der Organisation, eine derart unflexible Struktur vorzugeben, kann nur
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interpretiert werden: Sehr oft geht es bei solchen Massnahmen um (vermeintliche) Gerechtigkeit und Gleichbehandlung angesichts individuell unterschiedlicher Fallverläufe, Bedürfnisse und hoch komplexer Problemlagen. Die aus professioneller Sicht unzulässige Standardisierung könnte also als Versuch gelesen
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werden, die Nicht-Standardisierbarkeit Sozialer Arbeit zu bewältigen. Allerdings gingen diesem Versuch, um mit Habermas zu sprechen, wohl in erster Linie pragmatische Überlegungen voraus.
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Mit dem Prozessmodell von KPG steht nun sowohl den Organisationen als
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auch den Professionellen der Sozialen Arbeit ein Instrument zur Verfügung, mit
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dessen Hilfe sich Handlungsprozesse reflektieren und überprüfen lassen. Mit
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dem Modell wurde keine neue Struktur von Handlungen erfunden, sondern es
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präzisiert lediglich einen idealtypischen Handlungsablauf, wie er in der Literatur schon unzählige Male beschrieben wurde2 unter Berücksichtigung der spezifischen Anforderungen an professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit. Und
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dieses präzisierte Modell wurde – wie im ersten Teil des Lehrbuchs deutlich
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wird – bereits durch die Autoren einer intensiven ethischen Reflexion unterzogen. Die wissenschaftliche Herleitung und Begründung des Modells sorgt gemeinsam mit dieser ethischen Reflexion für die – subjektive, kulturelle, religiöse, historische oder soziale Grenzen übergreifende – Gültigkeit des Modells zur
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professionellen Bewältigung der Nicht-Standardisierbarkeit professionellen
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Handelns.
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2 Z. B. bei Burkhard Müller (2012) oder bei Hiltrud von Spiegel (2011).
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