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›Handbuch Soziale Arbeit‹ (Otto/Thiersch 2011), ›Grundriss Soziale
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Arbeit‹ (Thole 2012), oder ›Wörterbuch Soziale Arbeit‹ (Kreft/Mielenz
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2013).
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Wenn wir in diesem Lehrbuch über professionelles Handeln in der
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Sozialen Arbeit nachdenken, dann gehen wir von der Position des
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Identitätsansatzes aus, davon, dass es heute keine entscheidenden
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Unterschiede mehr gibt zwischen Sozialarbeit und Sozialpädagogik –
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zumindest keine, die eine Unterscheidung in ›Professionelles Handeln in der
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Sozialarbeit‹ und ›Professionelles Handeln in der Sozialpädagogik‹
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rechtfertigen würden. Im Hinblick auf die Berufsbezeichnung allerdings
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wirft die Aufhebung der Trennlinie zwischen den beiden Fächern
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Schwierigkeiten auf. Denn die traditionellen Begriffe Sozialarbeiter und
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Sozialpädagogin sind damit überholt, ohne dass eine neue prägnante
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Bezeichnung in Sicht wäre. ›Professionelle der Sozialen Arbeit‹ ist die nahe
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liegende neue Bezeichnung. Für die schriftliche Kommunikation erscheint
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dieser Begriff durchaus sinnvoll, in der mündlichen Kommunikation
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hingegen ist er ausgesprochen sperrig, und auch im Hinblick auf die
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Berufsidentität erscheint er nicht sonderlich geeignet. Wir nehmen an, dass
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sich in den kommenden Jahren eine neue Bezeichnung herauskristallisieren
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und etablieren wird. Derweil gehen wir pragmatisch mit der
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Übergangssituation um und verwenden alle drei Begriffe – Professionelle der
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Sozialen Arbeit, Sozialpädagogin, Sozialarbeiter – abwechslungsweise und
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synonym.
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2.1.3
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Soziale Arbeit als Disziplin und Profession
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Soziale Arbeit gilt also als neuer Leitbegriff für Disziplin und Profession. Im
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Folgenden soll aufgezeigt werden, was mit dieser Unterscheidung gemeint
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ist.
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Stichweh (1994) schlägt vor, Disziplin und Profession als zwei
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unterschiedliche Systeme mit je eigenen funktionalen Aufgaben
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auszuweisen. So sind Disziplinen Wissenschaftszweige, welche einen
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spezifischen Ausschnitt der Wirklichkeit auf bestimmte Weise betrachten.
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Zu jeder Disziplin gehören Forschungsgegenstände, Methoden, Theorien
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und Forschungszwecke (vgl. Wilhelm 2005:43). Disziplinen sind Ergebnisse
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einer Binnendifferenzierung des Systems Wissenschaft. Spezifisch für eine
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Disziplin sind nicht nur der Gegenstand, sondern auch die jeweilige
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Fragestellung und die Problemperspektive, d. h. die Art und Weise des
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Blickes auf den spezifischen Wirklichkeitsausschnitt. Sinnvoller als über
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den Gegenstand kann eine Disziplin bestimmt werden über die
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Zuständigkeit, so Merten (2002:39), mit Hilfe der Frage, welche Probleme
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als zur Disziplin zugehörig betrachtet werden. Er fasst die
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Strukturmerkmale von Disziplinen folgendermaßen zusammen:
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• Scientific community, d. h. die soziale Gemeinschaft von Wissenschaftlern,
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• Disziplinspezifische Sozialisationsprozesse (die sich innerhalb
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spezifischer Ausbildungsbedingungen an den Hochschulen vollziehen),
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• besondere Fragestellungen, besonderer Problembezug,
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• aktueller Diskussionsstand,
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• besondere Methoden und Lösungsverfahren (vgl. ebd.:41).
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