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345 Barbro Metell Arbeit mit Mädchen und Jungen, deren Mütter misshandelt wurden. Erfahrungen einer Spezialberatungsstelle in Stockholm
Gewalt in der Familie - Modell einer Mutter-Kind-Therapie Zeuge von Misshandlungen der eigenen Mutter zu werden, ist eine ernst zu nehmende Form psychischer Kindesmisshandlung, die Spuren hinterlässt. Viele Kinder werden auch selbst Opfer physischer oder sexueller Kindesmisshandlung. Kinder entwickeln Überlebensstrategien, um sich nach außen hin nichts anmerken zu lassen. Sie reden nicht über schwierige Erlebnisse, lernen die Wahrheit zu verschweigen, schirmen sich ab und isolieren sich. Kinder verdrängen Erlebtes und weigern sich, es zu akzeptieren. Viel zu vielen Kindern wird nicht geholfen, und ihre Mütter, die in einer Situation chronischer Furcht, Angst und Depression leben, sind nicht fähig, den emotionalen Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden. Kinder geraten in den Hintergrund elterlicher Probleme und destruktiver Verhaltensmuster aus Rücksichtnahme und Loyalität. Das im Folgenden vorgestellte Behandlungsmodell entstand während meiner etwa zehnjährigen Zusammenarbeit mit der Psychologin und Psychotherapeutin Birgitta Lyckner und der Arbeit mit Kindern, die Zeugen von Gewalt wurden. Wir entwickelten unsere Methodik in der kinderpsychiatrischen Einrichtung LOTSEN („Der Lotse“), die 1992 von „Stockholms läns landsting“, dem Landtag des Verwaltungsbezirks Stockholm, gegründet wurde. Als LOTSEN 1997 geschlossen wurde, setzten wir unsere Arbeit in der privaten Krisenhilfe FYREN („Das Leuchtfeuer“) für Kinder fort. Frauenmisshandlung ist ein Familiengeheimnis, das stark mit Schamgefühlen besetzt ist. Scham zu erkennen, ist schwierig, und das Ansprechen von Scham schwierig. Das Wissen darum, dass das eigene Kind schmerzliche Erfahrungen gemacht hat, vermittelt der Mutter Schuldgefühle, und erschwert es ihr, der Umgebung ihre Hilfsbedürftigkeit zu zeigen. Nach dem Ausbruch aus einer Misshandlungsbeziehung gestaltet sich die Lebenssituation oftmals chaotisch. In dieser Lage ist es schwierig, ein ergiebiges gemeinsames Gespräch mit Mutter und Kind zu führen. Die Mutter ist voll und ganz mit dem Erlebten beschäftigt und hat Probleme, ihre eigene Situation und die Lage des Kindes wahrzunehmen, sich in das Befinden und die Fragen des Kindes einzufühlen. Der Vater wehrt sich gegen die Aufdeckung der Gewalt und bestreitet meist die Misshandlungen. Das Kind ist unausgeglichen und unruhig und lehnt es ab, sich an einem Gespräch zu beteiligen. Es will seine Eltern schützen und weigert sich, über das Familiengeheimnis zu reden.