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3.1 KiB

Gruppenarbeit mit Mädchen und Jungen im Frauenhaus

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Besonders im sozialen Verhalten zeigen sich die meisten Kinder verunsichert oder unangepasst, häufig auch ungeübt. Viele Kinder können einfache Situationen, vor allem Körperhaltung und Mimik anderer, nicht gut einschätzen. Auch aus diesem Grund erleben viele jede Diskussion oder jedes laute Wort als bedrohlich. Einige Kinder reagieren auf jede Gefühlsschwankung anderer und versuchen nicht aufzufallen oder besänftigend auf die anderen einzuwirken. Andere agieren sehr laut und aggressiv oder haben einen extrem großen Bewegungsdrang. Die meisten können eigene Gefühle kaum wahrnehmen, geschweige denn differenzieren und kennen auch die eigenen Grenzen nicht. Noch weniger haben sie es gelernt, die Grenzen anderer wahrzunehmen und zu respektieren. Die wenigsten Kinder verfügen über differenzierte bzw. altersgerechte Konfliktlösungsstrategien. Oft fehlt es hier an den einfachsten Grundbegriffen und Ideen. Will zum Beispiel ein Kind ein Spielzeug haben, nimmt es sich das Spielzeug mit Gewalt. Aufgefordert, danach zu fragen, ist das Kind völlig erstaunt, wenn das Gegenüber es ihm überlässt. Machtkämpfe gibt es häufiger als in anderen Gruppen und sie werden sehr heftig ausgefochten, da durch die hohe Fluktuation immer neue Gruppenzusammensetzungen entstehen. Da die erlebte Gewalt in den Gruppen präsent ist, sind wiederholt Kriseninterventionen notwendig. Denn in den Gruppen müssen ängstliche und zurückgezogene Kinder und solche, die ihre Verletzungen durch extremes Ausagieren gegen andere zeigen, gleichzeitig unterstützt werden. Natürlich versetzen uns die Kinder immer wieder in Erstaunen, und wir erleben sie als geniale kleine Experten, die voller versteckter oder auch sofort sichtbarer besonderer Fähigkeiten stecken. Die Kinder haben ihre Verhaltensweisen und Überlebensmechanismen in einer widersprüchlichen, bedrohlichen, unsicheren und nicht berechenbaren Umgebung entwickelt. Wenn es ihnen gelingt, sich in den angebotenen Kindergruppen oder auch in den Einzelsituationen sicher zu fühlen, zeigen sie sich innerhalb kürzester Zeit hungrig nach neuen Erfahrungen und äußerst wissbegierig. Sie holen Entwicklungsrückstände auf und lernen auch, ihre sozialen und emotionalen Fähigkeiten zu erweitern. Dieser Prozess wird allerdings immer wieder von Krisen und Rückschritten unterbrochen. Diese werden häufig ausgelöst, wenn die Mutter wegen existenzieller Sorgen oder angstmachender Gerichtstermine in eine vertiefte Krise gerät, vielleicht sogar zurück zum gewalttätigen Partner gehen möchte. Ein weiterer Auslöser ist häufig der Umgang mit dem Vater. Für die Kinder ist es oft schon an sich eine schmerzhafte Belastung, den Vater wiederzusehen, den sie trotz Angst und Ambivalenz häufig vermissen. Für nur wenige Kinder verläuft die Anbahnung des Umgangs und der tatsächliche Kontakt mit ihm ohne Belastungen. Einige Kinder weigern sich ohne Begründung, ihn zu sehen, andere äußern Ängste oder sprechen über Verletzungen. Andere wiederum fürchten, die Mutter zu verletzen, wenn sie den Vater sehen wollen.