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Unterstützung für Mädchen und Jungen bei häuslicher Gewalt
oder „Ich bin der Größte“, aber auch „Du bist dafür zu blöd“. Die Kinder schwanken zwischen niedrigstem Selbstwertgefühl und der Suche, sich daraus durch Gefühle der Allmacht zu befreien. Die eigenen Abwertungen geben sie im Kontakt mit anderen häufig und für andere verletzend weiter. Ein großer Teil der Kinder hat Ängste, die auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar sind. Sie versuchen Ängste durch Vermeiden neuer Erfahrungen, extreme Zurückgezogenheit, ängstliches Verhalten oder sehr rigides, manchmal zwanghaftes Verhalten auszugleichen. So erleben wir Kinder, die immer nur auf dem gleichen Platz sitzen können, die gleichen Wege gehen oder am Gruppengeschehen gar nicht oder nur aus sicherem Abstand teilnehmen. In ihren Bildern oder Geschichten tauchen häufig existenzielle Bedrohungen und Todesphantasien wie etwa Sintflut, Feuer oder ein lebensbedrohlicher Sturm auf. Besonders auffällig ist, dass die meisten Kinder wiederholt Angst um die Mutter oder ihre Geschwister zeigen bzw. äußern, auch wenn sie genau wissen, dass die Mutter sicher in ihrem Zimmer oder in der Küche ist. Unter anderem deshalb haben viele oft noch bis ins Schulalter große Trennungsprobleme. Diese Probleme sind eng verbunden mit der Angst um die Mutter und der eigenen existenziellen Angst. Bei vielen Mädchen und Jungen wird eine große Bedürftigkeit deutlich. Sie drückt sich in der Tendenz aus, alle Spielsachen, Bastelmaterialien, Essen und insbesondere Süßigkeiten gleichzeitig und für sich alleine haben zu wollen. Ebenso wird natürlich um die Aufmerksamkeit und Zuwendung der Erwachsenen gerungen. Viele Kinder, besonders häufig Mädchen, haben dabei ein wahlloses, sehr anhängliches, oft auch körperlich distanzloses Verhalten. Eine niedrige Frustrationstoleranz und eine labile emotionale Befindlichkeit kommt bei Mädchen und Jungen hinzu. Sie können in der Regel keinerlei Kritik aushalten und reagieren verletzt, enttäuscht, beleidigt oder auch aggressiv bei den kleinsten Schwierigkeiten. An manchen Tagen sind sie immer nahe am Weinen oder kaum ansprechbar, sehr schnell wütend auf sich selber oder andere. Selten erleben wir die Kinder ganz unbeschwert und zufrieden. Viele sind anfällig für Erkältungs- und Infektionskrankheiten oder leiden unter anderen somatischen oder psychosomatischen Erkrankungen wie Essstörungen. Ein ausgeprägtes geschlechtspezifisches Verhalten fällt auf. Dabei orientieren sich die Mädchen und Jungen am hegemonialen Männerbild bzw. der entsprechend unterwürfigen, schwachen und versorgenden Frau. In der eigenen Familie wurde ihnen dieses Bild in seiner extremen Form vorgelebt. Einige Kinder, besonders Mädchen, übernehmen schnell die Versorgerrolle für die Gruppe und auch für die Pädagoginnen, wenn man sie lässt. Doch auch viele Jungen überfordern sich in ihrem Bestreben, die Schwächeren der Gruppe auch mit Gewalt zu schützen und achten dabei nicht auf eigene Grenzen und Bedürfnisse. Bei den von uns als auffällig beobachteten Verhaltensweisen wird deutlich, dass Jungen eher zu nach außen gerichteten und Mädchen eher zu nach innen gerichteten Auffälligkeiten neigen.