2.9 KiB
Therapeutische Arbeit mit Kindern, die häusliche Gewalt erlebt haben
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Die Therapeutin macht Frau B. darauf aufmerksam, dass eine Therapievereinbarung eine verbindliche Verabredung sei. Termine müssten fest und verlässlich eingehalten werden, der Rahmen sei sehr streng, aber das sei wichtig, damit Verlässlichkeit und Vertrauen entstehen können. Frau B. geht nach diesem Termin nachdenklich zum Frauenhaus zurück. Sie fragt Marie, ob diese gerne noch mal zur Therapeutin möchte. Marie hat es dort gefallen, sie konnte spielen und alles sagen, was ihr durch den Kopf ging. Frau B. bespricht sich mit der Erzieherin des Frauenhauses. Am nächsten Tag ruft sie die Therapeutin an und äußert den Wunsch, eine Kurzzeittherapie beginnen zu wollen. Nach 10 Terminen zieht Frau B. mit Marie aus dem Frauenhaus aus, sie hat eine kleine Wohnung in einem anderen Wohnbezirk gefunden. Der Anfahrtsweg zur Therapeutin ist zu weit. In einem gemeinsamen Abschlussgespräch verabschieden sich Frau B., Marie und die Therapeutin und verabreden, dass die Therapeutin Frau B. Namen von Kollegen aus dem neuen Wohnbezirk geben wird, falls es erneut wichtig wäre. Maries Ängste sind etwas zurückgegangen, sie freut sich auf die neue Wohnung, muss aber wieder alles mittlerweile Vertraute hinter sich lassen... Wir verlassen Marie und ihre Mutter an dieser Stelle, auch wenn wir wissen, dass ihre Geschichte von Gewalterleben, Trennung, Neuorientierung und Leben lernen mit der Gewalterfahrung noch lange nicht zu Ende ist. Fast immer gibt es sehr komplizierte und belastende Auseinandersetzungen um das Umgangsrecht des Vaters, Ängste werden wieder aktiv, äußere und innere Konflikte brechen (wieder) auf. Oder Kinder „vergessen“ scheinbar, was sie miterlebt haben, entwickeln sich zunächst erstaunlich unauffällig, doch irgendwann tauchen Symptome auf, die sich bei genauerer Betrachtung auf das Erleben häuslicher Gewalt zurückführen lassen.
Psychodynamische Faktoren In jedem Kind vollzieht sich eine eigene individuelle Art und Weise der inneren Verarbeitung der erlebten und/oder miterlebten häuslichen Gewalt. Abhängig ist dies von grundlegenden Lebenserfahrungen und von vorhandenen inneren und äußeren Ressourcen eines Kindes sowie den Erfahrungen, die ein Kind mit Erwachsenen im Umgang mit der erlebten Gewalt macht. Ein Kind, das Schutz und Verständnis erlebt, hat bessere Chancen auf konstruktive Verarbeitungs- und Einordnungsmöglichkeiten seiner Erlebnisse als ein Kind, das über lange Zeit gelernt hat, sich an die „normale Familiengewalt“ zu gewöhnen und den realen Schrecken immer wieder zu „vergessen“, um andere Lebensbereiche davor zu schützen. Trotz der hohen Individualität in den kindlichen Verarbeitungsstrategien gibt es meiner Erfahrung nach jedoch übergreifende innere Themen, die in Psychotherapien von Kindern und Jugendlichen, die häusliche Gewalt erlebt haben, immer wieder auftauchen. Zum