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Herausforderungen an die soziale und pädagogische Arbeit
einzubeziehen; das gilt um so mehr, je tabuisierter das jeweilige Gewalthandeln ist. So suchen Frauen mit ihren Kindern in Frauenhäusern Zuflucht, weil
sie Gewalt von ihrem Mann erlitten haben, manchmal explizit auch deshalb,
weil die Kinder indirekt oder direkt der Gewalt des Mannes ausgesetzt waren, nicht aber weil sie darunter leiden, dass sie selbst ihrerseits gewalttätig
sind. Diese Seite der Gewalterfahrungen bleibt daher in Frauenhilfseinrichtungen oft unthematisiert, bis - vor allem im Frauenhauskontext - die eigene
gewalttätige Seite mancher Frauen, sei es gegenüber ihren Kindern, sei es gegenüber anderen Frauen, sichtbar wird. Frauenhilfseinrichtungen stellen sich
nicht öffentlich als Einrichtungen dar, die Frauen und ihren Kindern Schutz
vor männlicher Gewalt anbieten und die ein Auseinandersetzungsforum für
mögliches, eigenes Gewalthandeln von Frauen sein wollen. Zugegebener Maßen wäre das auch eine schwierige, schwer zu vermittelnde Doppelaufgabe.
Möglicherweise würden Frauen, die männliche Gewalt erlitten haben, dann
nicht in Beratungseinrichtungen und in Frauenhäuser kommen, oder es würden andere Frauen kommen, die ihre eigene gewalttätige Seite mit reflektieren wollen und können.
Der Effekt dieser Leerstelle ist jedoch, dass die Frauenhilfseinrichtungen
(von Beratungsstellen bis Frauenhäusern) selbst - jenseits des jeweiligen Grades
der Offenheit von Mitarbeiterinnen für diese Problematik mancher Frauen zur Ausblendung dieses Aspektes familialer Gewalt als Institution beitragen.
In die dadurch systematisch entstehende „Lücke“ treten andere Institutionen
- Kinderschutzeinrichtungen (von Jugendamt bis Kinderschutzbund) -, die
dann „die Seite“ der Kinder übernehmen, indem sie deren vermutete oder geäußerte Interessen gegenüber der Mutter vertreten, was nicht selten bedeutet,
sich explizit oder implizit auf die Seite von Vätern, die ihre Rechte gegenüber
ihren Kindern geltend machen, zu stellen oder sich dort wieder zu finden.
Das ist ein Dilemma für Professionelle, dem schwer zu entkommen ist, denn
die Spaltungsdynamik einer Familie, in der Gewalt stattfindet, spiegelt sich
wider in den gespaltenen Hilfseinrichtungen für Frauen einerseits und für
Kinder andererseits, die jeweils parteilicher Hilfe bedürfen.
Gewalterfahrungen stellen einen Aspekt des Familiengeschehens dar, einen allerdings sehr leidvollen, der aber so nicht den jeweiligen Lebenszusammenhang abbildet, sondern einen Ausschnitt darstellt, in dem die anderen
Ereignisse, die zwischen diesen Situationen liegen, fehlen (Brückner 2000).
Das gilt noch mehr, wenn diese leidvollen und Leid verursachenden Erfahrungen im Kontext einer ethnischen Minderheitssituation stattfinden, da der
Minderheitsgruppe eine wesentliche soziale Funktion angesichts der Exklusionsmechanismen der ethnischen Mehrheitsgruppe zukommt. In der Sozialen
Arbeit mit Frauen, die Gewalt erlitten haben und die teilweise selbst gewalttätig
sind, sollte es daher thematisch nicht nur um die Gewaltakte, sondern auch um
den partnerschaftlichen und familialen Beziehungskontext gehen, in den die
unterschiedlichen Formen von Beziehungsgewalt eingebettet sind. Da aber
zumeist die Gewaltakte Anlass für sozialpädagogische Interventionen (z.B.