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Zur Rolle von Schule und Verwandten
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Einige Befragte geben auch zu Bedenken, dass betroffene Kinder und Jugendliche aus Scham und weil solche Probleme gewöhnlich nicht thematisiert werden, darüber schweigen würden: „Weil sie einem ziemlich nahe sind und es einem
peinlich sein könnte, seine Gefühle und Gedanken zu erzählen.“ (M, 15) und „weil es
nicht üblich ist, darüber zu reden.“ (J, 14) Weitere Befürchtungen kreisen um die
Frage, ob die Verwandten den betroffenen Kindern und Jugendlichen glauben würden, und ob sie das Problem verstehen würden. Dabei fällt auf, dass
das Problem der Glaubwürdigkeit vor allem von Mädchen geäußert wird.
Auch vorgefasste gesellschaftliche Meinungen, wonach häusliche Gewalt
„nur bei den anderen vorkommt“, können aus Sicht der SchülerInnen für die
Betroffenen zu einem Hindernis werden, das Gespräch mit den Verwandten
zu suchen. Diese Resistenzen fassen die Befragten in Aussagen wie „da die
Verwandten glauben, dass sie die Eltern kennen und es sich nicht vorstellen können,
dass diese Person gewalttätig ist“ (M, 15) oder „weil sie es nicht wahrhaben wollen, dass so etwas in ihrer Familie passiert, dass ihr Kind/Bruder/Schwester so was
tut.“(M, 13 )
Angesichts der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Befragten für von
häuslicher Gewalt betroffene Kinder sehen im Hinblick auf die Thematisierung ihrer familiären Situation mit den Verwandten, stellt sich die Frage, ob
die Vorbehalte gegenüber LehrerInnen gleich gelagert sind und was Schule im
Hinblick auf die psychosoziale Unterstützung dieser Kinder beachten sollte.
Warum könnte es schwierig sein, mit Lehrpersonen darüber zu sprechen?
Mit LehrerInnen verbringen SchülerInnen einen beträchtlichen Teil ihrer Zeit.
Als PädagogInnen haben sie nicht nur einen Auftrag, Wissen zu vermitteln,
sondern tragen auch Verantwortung für das Kindeswohl. Wie bereits gezeigt
wurde, nehmen sie auf der Skala der Ansprechpersonen für von häuslicher
Gewalt betroffene Kinder einen der letzten Ränge ein. Die überwiegende
Mehrheit der 9-17-Jährigen sieht vor allem Schwierigkeiten: 37% der Befragten sind der Meinung, dass es für betroffene Kinder nicht einfach wäre,
mit Lehrpersonen über die Situation zu Hause zu reden und fast die Hälfte
(48%) findet es schwierig. Nur jede/r siebte SchülerIn sieht wenige Probleme.
Interessanterweise verläuft die Kurve über die Altersgruppen abnehmend.
Während jedes fünfte Primarschulkind im Alter zwischen 9 und 11 Jahren die
Lehrperson ins Vertrauen ziehen würde, findet es nur noch jede/r 10. SchülerIn im Alter zwischen 15 und 17 Jahren einfach.
Die Befragten betrachten Lehrpersonen in erster Linie als für die Wissensvermittlung zuständig und nicht als Vertrauenspersonen, an die man sich
mit einem familiären Problem wenden würde. Wie auch bei den Verwandten
wird wiederum argumentativ ins Feld geführt, dass häusliche Gewalt eine
Privatsache ist und deshalb nicht in die Schule gehört.