35 lines
3.3 KiB
Markdown
35 lines
3.3 KiB
Markdown
Partnergewalt und Beeinträchtigungen kindlicher Entwicklung
|
||
|
||
43
|
||
|
||
zustande kommen könnten, wurden in der Forschung bislang erörtert: (1)
|
||
Eine Vermittlung über weitere Belastungsfaktoren. Wenn Kinder, die Partnergewalt miterleben, auch selbst häufiger als andere Kinder misshandelt werden, könnte es etwa sein, dass Kindesmisshandlung und nicht Partnergewalt
|
||
für beobachtbare Entwicklungsbeeinträchtigungen bei betroffenen Kindern
|
||
verantwortlich ist. (2) Eine Vermittlung über geteilte genetische Merkmale.
|
||
Aufgrund vorliegender Hinweise auf eine Beteiligung genetischer Faktoren
|
||
bei der Entstehung von Aggression allgemein (z.B. Rutter 1997) und bei Partnergewalt (Hines & Saudino 2004) könnte es sein, dass manche genetischen
|
||
Faktoren (z.B. eine genetisch beeinflusste erhöhte Irritierbarkeit) auf der Elternebene das Ausüben von Partnergewalt und auf der Kindebene die Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten begünstigen. (3) Eine Vermittlung über
|
||
biologische Mechanismen. Beispielsweise könnte es sein, dass die mit dem Erleben von Partnergewalt verbundenen Belastungen bei betroffenen Kindern
|
||
vorübergehend oder dauerhaft zu einem Entgleisen des Stresshormonsystems
|
||
führen, wodurch mittelbar auch andere Bereiche der kindlichen Entwicklung
|
||
beeinträchtigt werden könnten. (4) Eine Vermittlung durch eingeschränkte
|
||
Erziehungsfähigkeiten von Elternteilen, die Partnergewalt ausüben. Da beispielsweise Väter, die Partnergewalt ausüben, möglicherweise auch darüber
|
||
hinausgehende Einschränkungen in ihren Beziehungsfähigkeiten (z.B. im Einfühlungsvermögen) aufweisen, könnte es sein, dass diese Einschränkungen
|
||
eine Ursache von Entwicklungsbeeinträchtigungen bei ihren Kindern sind.
|
||
(5) Eine Vermittlung durch (zeitweise) eingeschränkte Erziehungsfähigkeiten
|
||
von Elternteilen, die Opfer von Partnergewalt werden. Aufgrund der erheblichen Belastungswirkung von Partnergewalt ist es vorstellbar, dass etwa
|
||
Mütter, die wiederholt Opfer von Partnergewalt werden, sich (zumindest
|
||
zeitweise) nur noch eingeschränkt um die Versorgung und Erziehung ihrer
|
||
Kinder kümmern können, wodurch dann Beeinträchtigungen kindlicher Entwicklung begünstigt werden könnten. (6) Eine Vermittlung durch die direkte
|
||
innerpsychische Verarbeitung miterlebter Gewalt bei betroffenen Kindern.
|
||
Partnergewalt könnte direkt über das Erleben für kindliche Entwicklungsbeeinträchtigungen verantwortlich sein, wobei unter Umstände bestimmte
|
||
günstige oder ungünstige kindliche Bewältigungsformen (z.B. das Ausmaß
|
||
an Schuldgefühlen) zu einer höheren oder geringeren Belastung beitragen
|
||
könnten. In den nachfolgenden Absätzen wird der Wissensstand zu jedem
|
||
dieser möglichen Vermittlungswege kurz erörtert und im Hinblick auf evenȱȱûȱ[ȱȱ¡ȱǯ
|
||
Andere Belastungen, die häufig mit Partnergewalt einhergehen, tragen
|
||
sehr wahrscheinlich vielfach zu beobachtbaren Entwicklungsbeeinträchtigungen im Leben betroffener Kinder bei, sind insgesamt gesehen aber nur
|
||
eine Teilerklärung, d.h. miterlebte Partnergewalt stellt auch dann einen bedeutsamen Belastungsfaktor dar, wenn keine anderen Entwicklungsrisiken
|
||
beobachtbar sind. Zu den Belastungen, die bei Kindern, die Partnergewalt
|
||
ausgesetzt sind, mit erhöhter Wahrscheinlichkeit beobachtet werden, zählen
|