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Hochuli Freund
31.7.17 S. 283
Autonomieförderung durch systemische Fallbearbeitung
sche Leiden (vgl. Flassbeck 2010:34f.). Eine Co-Abhängigkeit besteht, wenn die Bezugsperson »[…] ihr negatives Erleben dauerhaft zu beschönigen, zu unterdrücken oder zu verleugnen [versucht] und durch inkonsequentes Handeln ihre Notsituation noch […] verschlimmern […]« (ebd.:35). Der Wunsch, einer nahen Person in der Notsituation der Sucht helfen zu wollen wird oft jahrelang ausgenutzt. Durch Manipulationen werden immer wieder Hoffnungen in der helfenden Person geweckt, die wahrscheinlich genauso oft wieder zerstört werden (vgl. ebd.:36f.). Von Co-Abhängigkeit sind laut Flassbeck häufig Personen betroffen, die viele Ressourcen in ihren persönlichen Eigenschaften mitbringen. Das sind Freundlichkeit, positives Denken, Rücksichtnahme, Gutmütigkeit etc. (vgl. ebd.:38). Diese Eigenschaften sind in der Beziehung mit einem Süchtigen von Nachteil, da sie zugunsten des Suchtkonsums missbraucht werden. Oftmals schweigen Angehörige von Suchtkranken zu ihrer Situation, sie empfinden ohnmächtige Wut, Selbstzweifel und eine tiefe Scham und teilen sich deshalb anderen nicht mit (vgl. ebd.:42f.). Laut meiner Einschätzung trifft die Co-Abhängigkeit auf Frau G. zu. Ihr übermässiges Bedürfnis anderen, meist schwächeren, oft abhängigen Personen zu helfen, könnte ein Verhalten sein, das sie durch das Vorleben der Beziehung zwischen ihren Eltern gelernt haben könnte und das sie mit ihrem Mann weiterhin angewandt hat. Ihrem Mann hilft sie immer wieder, zuletzt hat sie ihn in ihrer Wohnung leben lassen, obwohl sie sich in dieser Situation nicht wohl gefühlt hat. Frau G. weist zahlreiche der aufgeführten Eigenschaften auf, sie ist sehr freundlich, arglos, nachgiebig, gutmütig und rücksichtsvoll. Wahrscheinlich hat sich auch der Selbstzweifel in Frau G. niedergelassen, sie traut sich kaum etwas zu und hinterfragt sich immer wieder, ob sie alles richtiggemacht hat. Als Therapie eines co-abhängigen Verhaltens nennt Flassbeck das Erlernen von anderen Verhaltensweisen, das »Sich-abgrenzen« lernen und das Mitteilen des eigenen Befindens. Durch konsequentes Handeln gegenüber Süchtigen können Freiräume gewonnen werden und das Realisieren von eigenen Lebenszielen und -interessen wird möglich (vgl. ebd.:38). Auch könnte eine Auszeit in einer Kur oder Klinik helfen, mit dem Abstand zum Alltag aus gestörten Gewohnheiten und Stereotypen ausbrechen zu können (vgl. ebd.:167). Als Angehörige einer süchtigen Person sollte auch gelernt werden, nicht nur über die abhängige Person, sondern auch über das eigene Befinden sprechen zu können (vgl. ebd.:175). Die folgenden erklärenden Hypothesen lassen sich aus diesem Zugang herleiten: • Weil Frau G. durch nahe Beziehungen zu Alkoholikern eine Co-Abhängigkeit entwickelt hat, hat sie Mühe, für ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche einzustehen. • Durch ihre persönlichen Ressourcen (Freundlichkeit, Gutmütigkeit, Hilfsbereitschaft) ist Frau G. eine wichtige Stütze für andere Menschen. • Durch die vielen Enttäuschungen und Rückschläge in ihrer Beziehung zu ihrem Ehemann ist Frau G. überzeugt, dass ihre Person an diesem Scheitern mitschuldig ist. 283