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Suche nach theoriegeleiteten Erklärungen zunächst eine Bewegung weg von
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der Kooperationsebene mit dem Klienten – auch wenn es gedanklich dabei
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um Annäherung geht, da man versucht eine Vorstellung darüber zu
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bekommen, wie es diesem anderen Menschen geht, wie er sich und die Welt
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um sich sieht und begreift (vgl. Schrapper 2008:201). Sie bedarf
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anschließend einer bewussten Bewegung hin zum Klienten, eine
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Fokussetzung auf die Arbeitsbeziehung und den Prozess des gemeinsamen
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Fallverstehens (was so schwierig und behindernd ist, welche Muster und
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Dynamiken möglicherweise zu erkennen sind u. ä.). Allerdings braucht es
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eine große Flexibilität zu erkennen, wann und vor allem wie die
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diagnostischen Erkenntnisse sinnvoll eingebracht werden können.
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So ist es vielleicht möglich, mit einzelnen Jugendlichen, welche den
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Jugendtreff noch besuchen, die erklärenden Hypothesen zu besprechen –
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mit den fernbleibenden Jugendlichen können sie nicht validiert werden.
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So wird es in diesem Beispiel vielleicht eher darum gehen, eine auf diesen
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Erkenntnissen aufbauende sinnvolle Intervention zu entwickeln, z. B.
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über unmittelbar realisierbare Möglichkeiten aktiver Mitgestaltung sowie
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über Konzept und Strategie nachzudenken.
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Ist ein dialogischer Verständigungsprozess während der Diagnose möglich,
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ist es wichtig, dass die vom Klienten(system) als hilfreich beurteilten
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Erklärungen in die handlungsleitende Arbeitshypothese aufgenommen
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werden und sie damit für die weitere Arbeit bedeutsam sind.
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Zu Arbeitsweise und Beteiligten
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Das methodische Vorgehen wurde detailliert und in idealtypischer Weise
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dargestellt, damit die Ausführungen als Anleitung insbesondere von
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Studierenden genutzt werden können. Theoriegeleitetes Fallverstehen
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braucht Übung. Zunächst ist es wichtig, dass das idealtypische, ausführliche
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Vorgehen gelernt und exemplarisch geübt wird (in Fallwerkstätten, an
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exemplarischen Fällen in der Praxis). Die methodischen Hilfsmittel (wie z. B.
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erklärende Hypothesen, Fragestellung) einsetzen zu können ist die
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›technische‹ Seite; über diese Fertigkeiten hinaus soll jedoch verstanden
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werden, wozu diese Hilfsmittel dienen und warum beispielsweise
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Fokussierung und Komplexitätsreduktion wichtig sind am Ende des
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Diagnoseschrittes. In Abbildung 22 ist deshalb das idealtypische
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methodische Vorgehen zusammengefasst ( Abb. 22).
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Mit etwas Übung kann das theoriegeleitete Fallverstehen auch verkürzt
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angewendet werden. Wenn die Suchbewegung des Fallverstehens, das
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Grundprinzip ›erst zu verstehen, dann zu handeln‹ internalisiert und
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habitualisiert, zu Bestandteilen der professionellen Grundhaltung geworden
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sind, dann ist theoriegeleitetes Fallverstehen nicht nur eine
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Diagnosemethode, die verschiedene Teilschritte enthält und einiges an Zeit
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erfordert. Vielmehr können die Bewegungen und Teilaufgaben des
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theoriegeleiteten Fallverstehens auch sehr schnell in Alltagssituationen
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realisiert werden ( Kap. 7.3.1).
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