Generated pages/ subfolders for all documents: - arbeit: 386 pages - praxis: 297 pages - EPG: 11 pages Page numbers are 0-based PDF indices matching the book viewer. Extracted using pdftotext.
3.4 KiB
angekreuzt werden können (vgl. Bayerisches Landesjugendamt 2001:13– 18). Die dritte Skala bezieht sich auf die Erziehungs- und Entwicklungsbedingungen und unterscheidet fünf Bereiche (Familiensituation, Grundversorgung, Erziehung, Entwicklungsförderung, Integration); in der Kurzfassung umfasst sie eine Seite und enthält 71 Items (wobei jedes entweder als Risiko oder als Ressource beurteilt und entsprechend angekreuzt werden kann). In der Langfassung werden Risikound Schutzfaktoren für vier Alterskategorien sehr detailliert exemplifiziert (vgl. ebd.:19–73). Legt man die Kurzfassung zugrunde, umfasst das Instrument sechs Seiten (kopierbar z. B. ebd.:13–18, Hillmeier 2004:206–211). Das quantitative Analyseinstrument ist konzipiert für eine spezifische Zielgruppe und ist einsetzbar bei der Bedarfsabklärung in der ambulanten Kinder- und Jugendhilfe. Die Arbeitshilfe enthält keine methodischen Hinweise, wie der Sozialarbeiter zum Ausfüllen der Checklisten gelangt und wie er die Auswertung vornehmen soll (vgl. Hillmeier 2004:205). Implizit ist ersichtlich, dass der Sozialarbeiter seine Fremdeinschätzung codiert. Die Arbeitshilfe erscheint – insbesondere in der Langform – wenig geeignet für den Dialog mit Kindern, Jugendlichen und/oder ihren Eltern (auch wenn sich in der Publikation des Bayerischen Landesjugendamtes der Hinweis findet, die Merkmale könnten auch »zusammen mit dem jungen Menschen selbst, seinen Sorgeberechtigten und möglicherweise Dritten bearbeitet werden« (2001:7). Die Auswertung solle nicht einfach quantitativ, sondern qualitativ erfolgen, merken Hillmeier et al. an (vgl. 2004:57). Das Instrument ist einerseits umfassend, es bezieht sich auf alle Lebensbereiche, berücksichtigt sowohl individuelle, altersspezifisch ausdifferenzierte Verhaltensweisen als auch Entwicklungsbedingungen. Andererseits erscheint die binäre Codierung ›Ressource: ja/nein‹ allzu einfach und unspezifisch; vor allem aber wird übergangen bzw. völlig offengelassen, wie der Sozialarbeiter über Beobachtungen und Gespräche – also mit Methoden und Kompetenzen zur Erfassung einer Situation ( Kap. 8) – zu diesen Einschätzungen gelangen kann. Auch die Auswertung ist u. E. angesichts der Vielzahl an generierten Daten insbesondere bei der Langfassung anspruchsvoll und müsste methodisiert werden. Neben diesen drei exemplarisch dargestellten standardisierten, quantitativen Analysemethoden gibt es eine Vielzahl ähnlicher quantifizierender Klassifikationssysteme. Sie sind auf eine spezifische Problemstellung und Zielgruppe ausgerichtet. Viele davon beziehen sich auf die Erfassung psychischer Störungen, sind von der Medizin entwickelt worden und werden in den (sozial-)psychiatrischen Praxisfeldern interprofessionell eingesetzt, so u. a. auch von der klinischen Sozialarbeit. Wahrscheinlich am weitesten verbreitet ist die in viele Sprachen übersetzte kinderpsychiatrische Child Behaviour Checklist (CBCL, vgl. Steinhausen et al 1998). Für die Zukunft wird einerseits an einem generellen, übergreifenden Klassifikationssystem mit großer Reichweite gearbeitet, das in allen Praxisfeldern der Sozialen Arbeit einsetzbar ist – so, wie es PIE dem Anspruch nach sein will – und das eine einheitliche und vergleichbare Erfassung sozialer Probleme erlauben soll. Andererseits werden spezifische Assessment- und Screeninginstrumente für bestimmte Aufgabenstellungen und spezifische Praxisfelder oder sogar Praxisorganisationen entwickelt