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den Kategorien Integration und Lebensführung (vgl. Sommerfeld et al.
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2011). Das dynamische Zusammenspiel von Menschen mit den von ihnen
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geschaffenen sozialen Systemen wird mit dem theoretischen Begriff
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›Lebensführungssystem‹ umschrieben (vgl. ebd.:47 f.). Ein
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Lebensführungssystem setzt sich zusammen aus einem Individuum und
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seiner Integration in unterschiedliche soziale Handlungssysteme (wie z. B.
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Familie, Schulklasse, Fußballclub). Es beschreibt demnach auf der inneren
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Seite die somato-psychische Struktur eines Menschen und gleichzeitig auf
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der äußeren Seite »die spezifische Form der Integration in sozio-kulturelle
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Systeme sowie die Interaktionen und die Positionen, die mit dieser
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realisierten Form der Integration einhergehen« (ebd.:63 f.).
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Lebensführung versteht sich als steter Versuch, durch Tätigkeiten zur
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Lebensbewältigung und durch Bewegung der Individuen im sozialen Raum
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Integration zu erreichen. Damit verbunden erfahren Menschen an
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verschiedenen Schnittstellen Herausforderungen und Schwierigkeiten, die
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sich je nach Ressourcen und Bewältigungsmöglichkeit überwinden lassen
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oder zu persönlichen sozialen Problemen führen. Auf der Grundlage der
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Systemmodellierung können mittels der Kategorien Integration und
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Lebensführung konkrete Lebensverhältnisse von Klientinnen so
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rekonstruiert werden, dass die Funktionsweise des dynamischen
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Zusammenspiels der individuellen bio-psychischen Struktur mit der sozialkulturellen Struktur der Gesellschaft darstellbar wird. Damit können
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Sozialarbeiter das Lebensführungssystem eines Menschen erkunden, die
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Sinnhaftigkeit einer Lebensführung verstehen, die (bio-)psychosozialen
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Problemdynamik herausarbeiten und die soziale Dimension erfassen und
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visualisieren. Die Methode sieht vor, solche diagnostischen Erkenntnisse in
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Aushandlungsprozesse mit dem Klienten einzubringen wie auch in die
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intra- und interprofessionelle Kooperation. Auf dieser Grundlage lassen sich
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Interventionen in nachvollziehbarer Weise auf die konkrete Falldynamik
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abstimmen und Lebensführungssysteme zusammen mit allen Beteiligten
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nachhaltig bearbeiten, um positiven Entwicklungen zu initiieren und zu
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stärken.
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Bei der Methode ›Systemmodellierung‹ gehen die Autorinnen von der
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Vorstellung aus, ein Lebensführungssystem so zu abstrahieren und in der
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Komplexität zu reduzieren, dass nur noch die relevanten Elemente und die
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sie verbindenden Beziehungen erkennbar sind. So können Funktionen,
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Strukturen und Dynamiken in den untersuchten Lebensführungssystemen
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modellartig aufgezeichnet, visualisiert und zentrale Muster
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herausgearbeitet werden. Diese geben eine fundierte und begründete
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Vorstellung relevanter Prozesse (wie z. B. ausgeprägte Problem- oder
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Interaktionsmuster) (vgl. Hollenstein 2010:167). In der Praxis kommen
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zwei unterschiedliche Vorgehensweisen zur Anwendung:
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Bei der idiografischen Systemmodellierung werden auf der Basis eines
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narrativ-biografischen Interviews und deren sequenzanalytischer
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Auswertung zunächst die im Fall maßgeblichen Handlungssysteme und
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Lebensphasen identifiziert. Für diese wird am Anschluss je eine
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Systemmodellierung erstellt, um die individuellen Integrationsverhältnisse,
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die Aufgaben zur Lebensbewältigung sowie vorhandene Ressourcen
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sichtbar zu machen. Dies ermöglicht die Rekonstruktion individueller
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Lebensführungssysteme mit den ihnen zugrundeliegenden
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(problemverursachenden) psycho-sozialen Dynamiken und Mustern in
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