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Raw Blame History

oder dass der Auswertungsschritt der erlebten Lebensgeschichte verfeinert werden soll. Fischer und Goblirsch stellten fest, dass in der Praxis der stationären Kinder- und Jugendhilfe die analytische Ebene der Interaktionen mit den drei beschriebenen Auswertungsschritten nicht genügend erfasst werden kann. Sie haben deshalb zusätzlich eine videogestützte Interaktionsanalyse entwickelt, die nach den gleichen methodischen Schritten durchgeführt wird, wobei die verbale wie auch nonverbale Ebene von Interaktionen sequentiert wird. Durch die Rekonstruktion von Sinnstrukturen können Einsichten über das interaktive Verhalten von Klienten gewonnen werden. Ausgangspunkt für die Entwicklung des Konzepts für narrativbiografische Diagnostik bildete ein Forschungsprojekt von Wissenschaftlerinnen und Professionellen, das in der Praxis über einen längeren Zeitraum erprobt wurde. Aufgrund der Erfahrungen ist vorgesehen, die eigentliche Durchführung einem Fachteam von mindestens drei Kollegen zu übertragen, die in dieser Methode geschult sind und die im Moment der Analyse keinen direkten Kontakt mit den Jugendlichen haben (Prinzip der Dekontextualisierung, vgl. Goblirsch et al. 2007:232 ff.). Die nach jedem Auswertungsschritt abgeleiteten Empfehlungsideen für Interventionen werden am Ende der Fallrekonstruktion nach einem intraprofessionellen Diskurs im Team zu einer Empfehlung zusammengefasst. Diese bezieht sich auf die Entstehungsbedingungen der herausgearbeiteten Themen und Problemlagen wie auf Ressourcen und Kompetenzen der Klientinnen. Es soll der Klientin aufgezeigt werden, über welche alternative Handlungs- wie auch Erfahrungsmöglichkeiten sie verfügt und es kann mit ihr ausgehandelt werden, wie gewünschte Strukturen zu verstärken sind oder verändert werden können (vgl. Goblirsch/Fischer 2011:130).

10.3.4 Sozialpädagogisch-hermeneutische Diagnose Die Methode der sozialpädagogisch-hermeneutische Diagnose wurde von Uhlendorff (anfänglich zusammen mit Mollenhauer 1992, 1995) für die Jugendhilfe entwickelt. Aus der Erfahrung, dass mit dieser Methode nicht die gesamte familiäre Problemlage erfasst werden kann, haben Uhlendorff et al. (2006) zusätzlich die Sozialpädagogische Familiendiagnose erarbeitet. Beide Methoden sollen kurz vorgestellt werden. Sozialpädagogisch-hermeneutische Diagnose für die Jugendhilfe Ziel dieser Methode ist es, mittels Diagnosen im Sinne von sog Wirklichkeitskonstruktionen zu Deutungen zu gelangen, die das Handeln von Sozialpädagoginnen begründen und planbar machen. Diagnosen sollen die Professionellen aus der Alltagshaftung herauslösen und zu einem Selbstverständnis verhelfen, wie in einem bestimmten Fall vorzugehen ist (vgl. Uhlendorff 1999:129). Uhlendorff geht davon aus, dass zum Verständnis der Lebenswelten und der Handlungen der Klienten Gespräche oft nicht ausreichen und deshalb rekonstruktive, interpretative Methoden angewendet werden sollen. Diese erlauben es genauer zu verstehen, was für