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Hochuli Freund
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31.7.17 S. 61
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Denken und Handeln
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adequate, though often imperfect, answers to difficult question«, so Kahneman
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(2011:98, Hervorhebung im Original). Die einfache Lösung ist bei ihm ›oft
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nicht perfekt‹, bei Gigerenzer hingegen ist sie stets die beste, insbesondere bei
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komplexen Problemen und in Situationen von Ungewissheit.5 Auch Kahneman
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bezeichnet eine Heuristik als eine grundsätzlich gute Strategie, um ein schwieriges Problem zu lösen – allerdings unter der entscheidenden Voraussetzung, dass
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sie bewusst gewählt wird, also ein Ergebnis von System 2 ist. Die automatisierten Heuristiken von System 1 hingegen können für ihn sowohl zu erfolgreichen
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Lösungen führen, aber eben auch zu unbemerkten mentalen Kurzschlüssen und
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Fehlurteilen.
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Während Gigerenzer verschiedene Typen von Heuristiken kategorisiert und
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erläutert, sich aber nicht für die Frage interessiert, wie professionsbezogene
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Faustregeln entstehen, wie sie hergeleitet und erworben werden, so ist Kahnemans Antwort eindeutig: Professionelle Heuristiken basieren auf bewusstem
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Denken, sie werden eingeübt – bis sie irgendwann als ›skilled intuitions‹ in den
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Automatismus von System 1 übergehen. Das gilt auch für in Kapitel 2 entwickelte KPG-Faustregel (›Worum genau geht es hier und wie erkläre ich es mir?
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Was ist mein Ziel, was will ich erreiche?‹).
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Kahnemans Empfehlung zur Vermeidung von Fehlurteilen und zur Einübung
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von ›skilled intuitions‹ lautet: Innehalten – bewusst Denken – Üben. Das lässt
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sich als Plädoyer für das Konzept KPG lesen, zielt dieses doch darauf ab, das
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Denken vor dem Handeln zu habitualisieren (vgl. Hochuli Freund/Stotz
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2015:325ff., Hochuli Freund/Sprenger-Ursprung 2016:55). Wenn für den Prozessschritt von Situationserfassung eine Haltung von Offenheit und Neugier
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verlangt wird, wenn vorschnelle, automatisierte eigene Bewertungen zurückgestellt oder zumindest als solche deklariert werden sollen (vgl. Hochuli Freund/
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Stotz 2015:154f.), dann geht es genau darum, Kurzschlüsse von System 1 gemäss Kahneman zu verhindern. Eine explizite Auslegeordnung (Analyse) vorzunehmen und nachvollziehbar herauszuarbeiten, worum genau es in einem Fall
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geht, dient ebenfalls dazu, eine automatisierte Typisierung (z. B. ›das ist wieder
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ein Fall von Arbeitsunwilligkeit‹) zu überprüfen und der Tendenz, ›immer sofort zu wissen, worum es hier geht‹, vorzubeugen. Wenn Kahneman auf die
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menschliche Vorliebe verweist, kausale Zusammenhänge zu konstruieren anstatt nachvollziehbare Schlüsse aus Mengen zu ziehen, entspricht dies der Forderung nach einer fachlichen sozialen Diagnose bei KPG (auch wenn es hier zumeist um qualitative und nur selten um quantitative Beurteilungsaspekte geht).
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Zu den Aufgaben im Prozessschritt Diagnose gehört es, implizite Erklärungen
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und für selbstverständlich gehaltene Kausalzusammenhänge zu explizieren. Damit werden sie diskutierbar und können durch bewusste, theoriebasierte Erklärungen ergänzt oder allenfalls ersetzt werden. Auch die für die Interventionsplanung vorgesehenen fünf Planungs-Schritte (vgl. ebd.:284ff.) sollen verhindern,
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dass vorschnell das umgesetzt wird, was einer Sozialarbeiterin sofort in den
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5 Siehe die in Kapitel 2 erwähnte Definition, oder auch: »Eine Faustregel oder Heuristik
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ermöglicht uns, eine Entscheidung schnell zu treffen, ohne viel Informationssuche und
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doch mit einem hohen Mass an Genauigkeit«(Gigerenzer 2014:44).
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