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Hochuli Freund
31.7.17 S. 194
Teil 2 Arbeitsfeldspezifische Konkretisierungen und Arbeitsmaterialien
zu Beginn zu legen und insbesondere auch auf eine stets wertschätzende Sprache. Bei einer grossen Runde gilt es darauf zu achten, dass sich der Klient nicht
überwältigt fühlt (vgl. ebd.).3
Eine hierfür gut geeignete Methode ist das aus der systemischen Therapie
stammende reflecting team (vgl. u. a. von Schlippe/Schweitzer 2003:199f.).
Der fallführende Sozialpädagoge und die Klientin sind Falleinbringende, danach sind sie Zuhörende beim analytisch-diagnostischen Fachgespräch. Am
Ende äussern sie, welche Erkenntnisse aus diesem Gespräch sie nun mitnehmen.
Damit arbeiten sie danach zu zweit weiter.
Fallbesprechung als Controlling
Bei einem sog. Fallscreening werden regelmässig jedes oder jedes zweite Jahr
entweder alle oder aber über Zufalls-Stichproben ermittelte Fälle durch Vorgesetzte oder eine Fachaufsicht überprüft. Diese Form der Fallbesprechung
dient der Überprüfung der Arbeit von Fachkräften (vgl. Pantuček 2004:4). Auf
diese Sonderform wird im Folgenden nicht weiter eingegangen.
1.3
Institutionalisierung
Fallbesprechungen können bei Bedarf stattfinden und einberufen werden, wenn
eine Fallsituation sehr problematisch und schwierig, ein Fallverlauf dramatisch
ist und Professionelle Unterstützung benötigen, um wieder handlungsfähig zu
werden. Kurz-Fallbesprechungen zu zweit können oft unbürokratisch und informell zwischen Tür und Angel stattfinden. Wenn Fallbesprechungen jedoch
den fachlichen Austausch über Fälle gewährleisten und eine hohe Qualität der
professionellen Unterstützung sicherstellen sollen, dann bedürfen sie einer institutionalisierten, äusseren Struktur.
In vielen sozialen Organisationen finden regelmässig jede Woche, vierzehntäglich oder monatlich Fallbesprechungen statt. Eine bewährte Möglichkeit
ist, jeweils einen Fall während 30 bis 45 Minuten vertieft zu behandeln (und
dabei sicher zu stellen, dass jeder Fall in einer dem Organisationsauftrag angepassten Regelmässigkeit thematisiert wird). Alle anderen Fälle werden kurz in
Form eines Blitzlichtes thematisiert, mit einer offenen, idealerweise wechselnden Frage (z. B. Ressourcenorientiert: »Was haben wir Neues erfahren über seine Ressourcen?«, oder Highlights/Frust: »Worüber habe ich mich am meisten
gefreut bzw. geärgert?«).
Organisationen, die nach einer bestimmten Methodik arbeiten,4 rhythmisieren die Besprechungen in einem Fall entlang der Struktur der Methodik. Die
3 Wenn die Professionellen zur Einschätzung kommen, dass die Teilnahme an einer Fallbesprechung nicht zumutbar ist, schlagen Boban/Hinz (2000) vor, ein Symbol für den
Klienten auf dem Tisch zu platzieren, um eine wertschätzende Haltung und Sprache
sicherzustellen.
4 Wie beispielsweise Kooperative Prozessgestaltung (Hochuli Freund/Stotz 2015) oder
Kompetenzorientierung (Cassée 2010).
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