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Hochuli Freund
31.7.17 S. 65
Denken und Handeln
merkt in einer sich selbst verstärkenden Schlaufe hängen bleiben (vgl. ebd.:281–283). Gemäss Schön ist der Zeitrahmen einer solchen ›reflection-in-action‹ sehr verschieden, abhängig von »the period of time in which we remain in the ›same situation‹« (ebd.:278)6. Während eines Basketballspiels könne das der Bruchteil eine Sekunde sein, ein Dirigent könne entweder eine einzelne Aufführung oder aber eine Saison als ›Situation‹ sehen. Nicht nur die Dauer von ›reflection-in-action‹ variiere stark von Fall zu Fall. Ebenso gross sei die Bandbreite der Reflexionsgegenstände, also das, was als Situation oder Fall definiert werde (vgl. ebd.). Den Einwand ›Denken behindere Handeln‹ lässt Schön nicht gelten. Es gebe gefährliche Situationen (z. B. im Verkehr), in denen es eine unmittelbare Handlung brauche – aber die allerwenigsten Praxis-Situationen seien von dieser Art. Meist bleibe Zeit »to think what we are doing« (ebd.:279). Man könne auch innerhalb einer Sekunde nachdenken, allerdings brauche das tatsächlich Übung. Auch müssten Praktikerinnen lernen sich Reflexionsmöglichkeiten zu schaffen: »Indeed, our conception of the art of practice ought to give a central place to the ways in which practitioners learn to create opportunities for reflection-in-action« (ebd.:279). Schön verbindet mit seiner Praxis-Epistemologie den Anspruch, den Gegensatz zwischen wissensbasiertem professionellem Vorgehen und der Geheimnisumwobenen Kunst intuitiven Handelns geübter Praktiker zu überwinden. Er will diese Kunstfertigkeit im Umgang mit Situationen, die geprägt sind von Unsicherheit und Ungewissheit, aus dem Dunstkreis von ›das ist einfach ein Gefühl‹ herausholen (vgl. ebd.:5), sie beschreibbar machen und aufzeigen, wie Denken und Handeln untrennbar ineinander verwoben sind (was aber nicht heisst, dass Professionelle selber stets alles internalisierte Wissen, das sie in ihrem Handeln leitet, artikulieren und explizieren müssen).
4.2
Vergleich mit KPG und Folgerungen
Auf Grund des weiten Fallbegriffs, den Schön verwendet – mit der grossen Bandbreite bei Reflexionsgegenständen und Aktionszeit – ergeben sich viele Bezüge zum Konzept KPG. Auch wir gehen davon aus, dass »Prozessgestaltung unterschiedliche zeitliche Dimensionen aufweist« (Hochuli Freund/Stotz 2015: 144) und die Dauer eines Prozesszyklus variieren kann. Wenn es um länger dauernde Unterstützungsprozesse geht, wird in mittel- und langfristigen Prozesszyklen von Monaten bis zu ein, zwei Jahren gedacht. In Bezug auf Belange des Alltags hingegen gibt es wöchentliche, tägliche, stündliche oder minütliche Prozesszyklen (vgl. ebd.:145). Auf letztere, die kurzen Prozesszyklen bin ich bereits bei der Diskussion des Heuristik-Konzepts von Gigerenzer eingegangen. Beim Konzept ›reflection-in-action‹ erstaunt zunächst die Tatsache, dass sich die Aktionszeit ebenfalls über einen längeren Zeitraum erstrecken kann (Schön 6 An anderer Stelle schreibt er, es gehe um »the zone of time in which action can still make a difference to the situation« (Schön 1983:62).
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