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Verfügen über Fachwissen nicht ausreicht, um den immer komplexer
werdenden Aufgabenstellungen der modernen Arbeitswelt zu genügen. In
der Folge richtete sich das Augenmerk vermehrt auf die Erlangung von
überfachlichen, prozessorientierten Qualifikationen, die mit dem Begriff
Schlüsselqualifikationen bezeichnet wurden. Gemeint sind damit
Fähigkeiten, Lern-, Arbeits- und Kommunikationsprozesse auf der
Grundlage von erworbenem fachspezifischem Wissen zu gestalten. Sie
ermöglichen den Absolventinnen einer Berufsbildung, die ständig
wechselnden Anforderungen in einem bestimmten Berufsfeld adäquat
meistern zu können (vgl. Landwehr/Müller 2006:25). Der Fokus richtete
sich in der Ausbildung darauf, einerseits Fachwissen zu vermitteln und
gleichzeitig die Ausbildung von Fähigkeiten zu fördern, die in der
Arbeitswelt auch tatsächlich eingesetzt und umgesetzt werden konnten. Im
Fachdiskurs ersetzte man den Begriff Fähigkeit durch denjenigen der
Kompetenz und meint damit Fähigkeiten, die auf der Grundlage einer
fachspezifischen Wissensbasis genutzt werden, um berufliche
Anforderungen angemessen zu bewältigen. In der Bologna Bildungsreform
wird in den 1990er Jahren von Employability (Berufsbefähigung)
gesprochen und postuliert, die Studiengänge auf den Erwerb von
Kompetenzen auszurichten. Dies veränderte die Aufbereitung und
Vermittlung des Lehrstoffs (Methodik und Didaktik) an Schulen und
Universitäten. Richtete sich der Fokus in früherer Zeit auf Lehrpläne und
Lerninhalte (learning inputs) und auf die Art der Vermittlung, interessieren
nun vielmehr die Lernergebnisse: Kenntnisse, Fertigkeiten und
Handlungspotentiale (learning outcomes). In der Folge erfuhr der
Kompetenzbegriff eine inflationäre Verbreitung: Es wurde und wird fast
überall in der Arbeitswelt von Kompetenzen gesprochen; diese werden aber
oft gleich gesetzt mit (Handlungs-)Fähigkeiten, Fertigkeiten oder dem
Verfügen über Wissensbestände. 2006 schuf die Kommission der
Europäischen Gemeinschaften einen Europäischen
Qualifikationsrahmen (European Qualification Framework), in dem
Kompetenz wie folgt definiert wird: Kompetenz ist »die nachgewiesene
Fähigkeit, Kenntnisse, Fertigkeiten, sowie persönliche, soziale und/oder
methodische Fähigkeiten in Arbeits- oder Lernsituationen und für die
berufliche und/oder persönliche Entwicklung zu nutzen« (EU 2006:17 f. zit.
in Erpenbeck/Rosenstiel 2007:XIV). Diese Begriffsdefinition führt im
Fachdiskurs den Aspekt der Situations- und Aufgabenbezogenheit ein. Sie
lässt immer noch einen großen Interpretationsspielraum zu, weist aber im
Kern darauf hin, dass es sich bei diesem Kompetenzverständnis um die
Selbstorganisationsfähigkeit in verschiedenen Bereichen handelt. Die
Studierenden bringen Fähigkeiten selbstorganisiert hervor und wenden
diese unter Nutzung situations- und aufgabenspezifischen Wissens bezogen
auf die Handlungserfordernisse beruflicher Praxis an. Hof (2002) geht
davon aus, Kompetenz nicht nur als Befähigung zu betrachten, sondern
diese in Bezug auf die Umsetzung im Praxisfeld zu setzen. Sie spricht in
diesem Zusammenhang von Performanz und meint damit die Art und Weise,
wie Professionelle ihre Kompetenzen in der praktischen Tätigkeit umsetzen.
Damit wird klar, dass auf der Basis von Wissensbeständen, die am Lernort
Hochschule angeeignet werden, Kompetenzaspekte nur im jeweiligen
Praxisfeld erworben werden können, indem eigenständige Übersetzungsund Modifikationsleistungen zu erbringen sind, die dem spezifischen