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Verhaltensregeln.
Die Professionssoziologie befasst sich ausführlich mit diesen
(Exklusivitäts-) Merkmalen und den unterschiedlichen
Professionsmodellen. An dieser Stelle soll lediglich darauf hingewiesen
werden, dass die einzelnen Merkmale in den verschiedenen
Professionalisierungstheorien unterschiedlich akzentuiert und kritisch
untersucht werden.
3.1.2
Soziale Arbeit eine Profession?
In der ersten Aufbruchsphase in den 1960er und 1970er Jahren orientierte
sich die Soziale Arbeit ähnlich wie die Bildungs- und die Pflegeberufe an
den Merkmalen des klassischen Professionsmodells. All diese Berufe
erfüllen gemeinnützige Funktionen in sensiblen Lebensbereichen, in denen
mangelhafte Qualität der Arbeit gravierende Folgen für die betroffenen
Klientinnen haben kann. Dies begründete den Professionalisierungsbedarf
dieser Berufe, insbesondere die Notwendigkeit einer akademischen
Ausbildung. Alsbald machte sich Mitte der 1970er Jahre allerdings
Ernüchterung breit. Denn trotz einer großen Bandbreite von Antworten in
der Debatte zur Professionalisierung und Professionalisierbarkeit der
Sozialen Arbeit bestand relative Einigkeit darin, dass die Soziale Arbeit
gemessen an den oben beschriebenen Merkmalen noch keine Profession ist:
Eine einheitliche wissenschaftliche Grundlage, ein Sonderwissensbestand
fehlt weitgehend. Es ist kaum möglich, einen exklusiven
Zuständigkeitsbereich der Sozialen Arbeit zu bestimmen, charakteristisch
für die Soziale Arbeit ist vielmehr die enge Zusammenarbeit mit und auch
Angewiesenheit auf andere Berufsgruppen. Auch die fachliche Autonomie
ist weder gegeben noch erscheint sie u. a. durch die Einbindung in
bürokratische Handlungskontexte erreichbar. In Hinblick auf materielle
Privilegierung kann die Soziale Arbeit ebenfalls nicht mit den klassischen
Professionen mithalten. Die berufsständische Selbstorganisation steckt in
den Kinderschuhen nur ein kleiner Teil der Berufsangehörigen gehört
einer Berufsorganisation an und eine professionelle Kontrollinstanz fehlt.
Gleichzeitig formierte sich auch Widerstand gegen die Expertisierung der
Sozialen Arbeit, die in der Forderung nach Deprofessionalisierung
mündeten (vgl. Gildemeister 1992:208).
Positionen
All diese Befunde führten zunächst zu einer tendenziell negativen
Einschätzung der Entwicklungsmöglichkeit der Sozialen Arbeit von einem
Beruf zur Profession. Dabei lassen sich verschiedenste Positionen
unterscheiden, die von den Polen unerwünscht bis hin zu realisierbar
reichen (vgl. Galuske 2013:127 ff.). Drei wichtige sollen im Folgenden
skizziert werden.
Die unvollständige Professionalisierung der Sozialen Arbeit wird als
Zwischenphase in einem Entwicklungsprozess gesehen. Beim
Sozialarbeitsberuf handle es sich um einen »halb professionalisierten
Beruf«, konstatierte beispielsweise Lingesleben (1973:53 zit. in Galuske