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Plane konkrete Interventionen kooperativ im KPG-4-Schritte-Prozess (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 306–311). Von Intervention im engeren Sinne wird gesprochen, wenn auf der Grundlage einer Analyse und im Hinblick auf Grobziele ein umfassender Handlungsplan entwickelt und realisiert wird (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 293). EPG-Bewertung: max. 10 Punkte.
Der KPG 4-Schritte-Prozess
Schritt 1 — Vorüberlegungen (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 307): Fasse die wichtigsten Erkenntnisse aus Situationserfassung, Analyse, Diagnose und Zielsetzung zusammen: relevante Fakten, Fallthematik, Arbeitshypothese, vereinbarte Grobziele. Kläre, ob die Organisation sich an einem handlungsleitenden Konzept orientiert. Diese Rückschau verhindert, dass die aufwändig erarbeiteten diagnostischen Erkenntnisse ungenutzt bleiben.
Schritt 2 — Entwerfen (Öffnung) (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 308): Blickfeld möglichst weit öffnen, kreativ neue Möglichkeiten erfinden — ohne vorschnelle Einschränkungen. Ressourcen der Klient*in und des gesamten Umfelds einbeziehen. Erfahrungswissen der Organisation nutzen. Faustregel: Mindestens 20–25 Interventionsideen sammeln. Besonders auf Veränderungen von Situationen konzentrieren (nicht nur personenbezogene Interventionen).
Schritt 3 — Reflexion (Szenarien) (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 309): Gesammelte Interventionsideen mittels Szenarien bewerten: Best Case (bestmöglicher Verlauf), Worst Case (schlechtmöglichster Verlauf/Katastrophengeschichte), Nichts-tun (was passiert ohne Intervention?). Darüber hinaus: Ressourcen, Einflussfaktoren, ethische Aspekte, Handlungsbedarf und Team-Ebene reflektieren.
Schritt 4 — Entscheiden & Planen (Schliessung) (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 311): Auf der Basis der Reflexion die besten Interventionen auswählen, Zuständigkeiten klären, Zeitrahmen festlegen und die erste Interventionsphase im Sinne der rollenden Planung detailliert planen (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 298). Konkret: «Wer macht wann, was, wie, warum?»
Handlungsleitende Konzepte
Interventionsplanung stützt sich auf handlungsleitende Konzepte, die eine Hintergrundfolie bilden und fallspezifisch angepasst werden (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 299). Beispiele:
- Empowerment — Befähigung und Stärkung der Selbstwirksamkeit
- Lebensweltorientierung — Alltagsbezug, Lebenslage, soziale Einbettung
- Ressourcenorientierung — Individuelle und soziale Ressourcen nutzen
- Systemisches Denken — Wechselwirkungen im Bezugssystem berücksichtigen
- Lösungsorientierter Ansatz — Fokus auf Gelingendes statt Problemerklärungen
Mindestens ein Konzept muss benannt, fachlich begründet und mit der Interventionsplanung verknüpft werden.
Interventionsmodi und -typen
Müller unterscheidet drei Modi (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 295):
- Eingriff — Mit Machtausübung, nur bei Gefährdung legitimiert
- Angebot — Basiert auf Freiwilligkeit (Rahmenangebote, spezifische fallbezogene Angebote)
- Gemeinsames Handeln — Koproduktiv, auf Augenhöhe
Leitlinie: Eingriffshandeln möglichst beschränken und in gemeinsames Handeln überführen. Unterscheide situations- und personenbezogene Interventionen — Situationsveränderungen bergen oft grossen Mehrwert (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 296).
SMART-Kriterien für Feinziele
Feinziele operationalisieren Grobziele für die konkrete Interventionsplanung (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 286):
- S — Spezifisch: Klar und eindeutig formuliert
- M — Messbar: Erreichung überprüfbar
- A — Attraktiv/Akzeptiert: Ausgehandelt, von allen Beteiligten mitgetragen
- R — Realistisch: Erreichbar unter den gegebenen Bedingungen
- T — Terminiert: Mit Zeithorizont versehen
Ordne jedes Feinziel einem Grobziel zu und unterscheide BZ/UZ.
W-Fragen — Konkrete Interventionsplanung
Die Interventionsplanung anhand eines Feinziels beantwortet die Frage «Wer macht wann, was, wie, warum?»:
- Wer? — Welche Person(en) sind zuständig/beteiligt?
- Wann? — Zeitrahmen, Termine, Phasen
- Was? — Welche konkreten Handlungen/Aktivitäten?
- Wie? — Methodisches Vorgehen, Vorgehensweise
- Warum? — Fachliche Begründung mit Bezug zum handlungsleitenden Konzept
Kooperation
Interventionsplanung geschieht idealerweise gemeinsam mit Klient*innen (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 305). Auf der Fachebene dient die Hilfekonferenz als Gefäss für interprofessionelle Koordination. Auch in Zwangskontexten lassen sich Strategien finden, die am unmittelbaren Interesse des Klienten ansetzen. Die Ausweitung der Wahlmöglichkeiten steht im Zentrum.
Tipps
- Unterscheide sorgfältig zwischen Grobzielen (Kap. 3.4) und Feinzielen (hier): Feinziele sind konkreter und SMART-formuliert.
- Die sorgfältige Interventionsplanung bedeutet Aufwand, der sich lohnt: Die Rückschau ermöglicht, diagnostische Erkenntnisse angemessen zu berücksichtigen und die Ausrichtung auf Grobziele zu gewährleisten (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 313).
- Rollende Planung: Nur die erste Interventionsphase detailliert planen, weitere erst nach Zwischenevaluation konkretisieren (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 298).
- Evidence Based Practice: Prüfe, ob für dein spezifisches Problem Forschungsergebnisse beigezogen werden können (Hochuli Freund/Stotz 2021, S. 302).
EPG-Checkliste (max. 10 Punkte)
- Zusammenfassung bisheriger Erkenntnisse (1 P.): Erkenntnisse zusammengefasst und deren Bedeutung für die Interventionsplanung herausgearbeitet
- Handlungsleitendes Konzept (1.5 P.): Mind. ein Konzept benannt, fachlich begründet und mit der Planung verknüpft
- Interventionsmöglichkeiten entworfen und reflektiert (1.5 P.): Kooperativ entworfen, mit Szenarien reflektiert
- Auswahl fachlich begründet (1.5 P.): Mit Bezug zur bisherigen Fallbearbeitung
- Konkrete Interventionsplanung / W-Fragen (3 P.): Anhand eines Feinziels «Wer macht wann, was, wie, warum?» methodisch-strukturiert beantwortet
- Kooperation (1.5 P.): Klient*innenspezifische und inter-/intraprofessionelle Kooperationen konkret dargestellt