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Hochuli Freund
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31.7.17 S. 219
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»Sprechen ist schwierig«
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Im zweiten Teil des Gesprächs geht es um die Vorbereitung des Standortgesprächs anhand des ICF-Formulars, um ihre Selbsteinschätzung bei verschiedenen Kompetenzbereichen und ihre Befindlichkeit zu eruieren (siehe
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Abb. 15). Ich werde Lea Ablauf und Ziel eines Standortgesprächs erläutern.
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Dabei handelt es sich um eine mündliche Perspektivenanalyse mit Lea, ihren Eltern, der Lehrperson sowie der Bezugsperson der Wohngruppe (vgl. Hochuli
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Freund/Stotz 2011:179–182). Danach werde ich ihr einige Fragen zu ihrer Befindlichkeit stellen und ihr dann auf dem ICF-Formular jedes Thema (Item) in
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eigenen Worten erklären, damit sie nachvollziehen kann, worum es geht und
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sie sich dann selbst einschätzen kann.
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Nach dem Standortgespräch werde ich die Silhouette von Lea sowie die Aussagen aller Beteiligten sammeln und ordnen. Davon ausgehend werde ich die
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konstatierenden Hypothesen formulieren und danach die Fallthematik ableiten.
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Umsetzung
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Das Vorbereitungsgespräch mit Lea konnte ich wie geplant durchführen. Als
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ich ihr die Silhouette (siehe Abb. 16) gab und erläuterte, begann sie sogleich
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ihre Stärken zu notieren. Ganz schnell hatte sie sieben Stichworte beisammen.
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Beim letzten Punkt (»nicht auf die anderen schauen«) fragte ich nach, was sie
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damit meint. Sie erklärte mir, dass in der Schule die anderen Kinder oft laut
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seien oder nicht arbeiten. Sie könne in solchen Situationen gut für sich schauen
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und konzentriert ihre Aufgaben erledigen, ohne abgelenkt zu werden. Bei der
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Frage nach den Schwierigkeiten musste sie auch nicht lange überlegen. Als Lea
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aufschrieb »mit anderen Kindern sprechen« wurde ich hellhörig, da sich das
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mit unseren Beobachtungen deckte. Ich fragte sie, inwiefern das für sie eine
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Herausforderung darstelle. Lea zuckte mit den Schultern und sagte, dass sie keine Ahnung habe. Mit Erwachsenen sei es kein Problem, aber mit Kindern sei es
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schwierig. Manchmal wolle sie etwas sagen, aber es gehe einfach nicht. Ich
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fragte nach, was sie dann mit »sprechen« bei den Stärken gemeint hat. Lea erklärte mir, dass sie im Vergleich zu den anderen hörbeeinträchtigten Kindern
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auf dem Landenhof einen guten Wortschatz und eine deutliche Aussprache
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habe. Was unter Träume sowie Alpträume verstanden wird, musste ich ihr
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mehrmals erläutern (mit anderen Begriffen wie Wünsche, Ziele bzw. Ängste,
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Sorgen). Sie notierte in der Silhouette ein »A«, das bedeutet, dass sie die höchste Schulform in der Oberstufe erreichen möchte. Als ich ihr ergänzend die
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›Wunderfrage‹ (aus der lösungsorientierten Gesprächsführung) stellte, schrieb
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Lea bei den Träumen noch »mit anderen Kindern sprechen« auf, was mich
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sehr freute. Als sie bei den Alpträumen »dass mich die anderen Kinder nicht
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auslachen« notierte, fragte ich nach, ob diese Angst im Zusammenhang mit der
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Schwierigkeit »mit anderen Kinder sprechen« stehen könnte. Sie meinte, dass
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das gut sein könne. Ansonsten hielt ich mich bei Nachfragen mit Beispielen zurück, da ich ihre Antworten nicht beeinflussen wollte.
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