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In ihrer Theorie der Sozialen Arbeit gehen Staub-Bernasconi und Geiser
davon aus, dass sich Soziale Probleme in vier unterschiedlichen
Dimensionen erfassen lassen. Die erste Dimension bezieht sich auf die
individuelle Ausstattung einer Person. Erfasst werden individuelle
Eigenschaften im biologischen, psychischen, sozioökonomischen,
soziokulturellen und sozioökologischen Bereich ( Kap. 8.3.2). Diese
Eigenschaften kennzeichnen das Austausch- und Machtpotential einer
Person oder deren Einschränkungen. Die zweite Dimension umfasst die
Austauschbeziehungen einer Klientin in sozialen Systemen, das Augenmerk
liegt auf den Austauschmitteln, die soziale Interaktionen ermöglichen oder
verhindern (vgl. Geiser 2013:28). Die dritte Dimension befasst sich mit
Machtbeziehungen in sozialen Systemen. Ausgehend von der Entdeckung
der Machtquellen werden die Positionen der Klientin als Mitglied von
sozialen Systemen erfasst. Damit wird erkennbar, zu welchen Systemen sie
Zugang hat, mit welchen Möglichkeiten und Einschränkungen sie
konfrontiert ist und welchen Handlungsspielraum sie darin hat. Die letzte
Dimension fokussiert die gesellschaftlich anerkannten Werte, deren
Realisierung angesichts artikulierter Probleme nicht gelingt.
Für die Erfassungs- und Analysephase hat Staub-Bernasconi (1998) eine
sog. Entdeckungskarte (Problemkarte) entwickelt. Die vier beschriebenen
Dimensionen (Ausstattung, Austausch, Macht und Werte) werden dabei in
Bezug gebracht zu den unterschiedlichen individuellen
Ausstattungsdimensionen. Dies erlaubt, Einschränkungen, Probleme etc. in
den entsprechenden Feldern festzuhalten.
So hat ein Mensch mit wenig Bildungshintergrund
(Ausstattungsdimension) in seinem Berufsfeld wenig Möglichkeiten, eine
selbständigere und höher dotierte Arbeit zu erlangen (Machtdimension).
Neben der Problemkarte werden mit einer zweiten Entdeckungskarte
(Ressourcen- und Machtquellenkarte) mögliche Tauschmedien oder
Machtquellen ausfindig gemacht. Auf dieser Karte werden die vier gleichen
Dimensionen in Bezug gesetzt zu allen Teilsystemen einer Gesellschaft (wie
z. B. das Individuum selbst, seine Familie, verschiedene Hilfssysteme,
Nachbarschaft, Stadtteil etc.) und dabei Ressourcen, Eigenschaften,
Potentiale eingetragen.
In der Analyse wird in einem ersten Schritt die Ausstattung eines
Menschen gemeinsam mit ihm in fokussierter Weise mit Hilfe der Problemund Ressourcenkarten beschrieben. Dabei kommt es zu einer Bewertung
der Fakten, indem eine Einschätzung von (möglichen) Problemen und für
die Problemlösung relevanten Ressourcen vorgenommen wird. In der
Situationsanalyse nach Staub-Bernasconi und Geiser wird neben der
Erfassung und Analyse in einem zweiten Schritt mit Hilfe von
Erklärungswissen eine Diagnose gestellt ( Kap. 10.2.1). Dabei entsteht ein
umfassendes Gesamtbild, das die Ausgangslage bildet für die Intervention.
Die Problem- und Ressourcenkarten werden im Unterstützungsprozess
fortlaufend nachgeführt, sodass die einzelnen Felder mit der Zeit immer
mehr Informationen enthalten, die das Formulieren von Indikatoren für
Probleme und Ressourcen erleichtern sowie das Finden von möglichen
Erklärungen und das Erstellen von Prognosen (vgl. Staub-Bernasconi
1998:72 ff., Geiser 2013:308 ff.).