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Ethische Entscheidungsfindung
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Zentral für die Ethik in der Sozialen Arbeit ist die ethische
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Entscheidungsfindung, wofür die oben ausgeführten professionsethischen
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Grundlagen und normativen Vorgaben einen wichtigen Bezugsrahmen
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darstellen. In der Berufspraxis der Sozialen Arbeit stellen sich immer
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wieder Fragen, die einer Werteabwägung bedürfen: Soll für die Eltern mit
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Erziehungsproblemen eine sozialpädagogische Familienbegleitung
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verpflichtend vorgeschlagen werden? Wie umgehen mit einer stark
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übergewichtigen Klientin, die immer mehr zunimmt und ihre Gesundheit
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damit ernsthaft gefährdet? So stellen sich in der Praxis moralische Fragen,
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die in strukturierter Weise bearbeitet werden müssen. Eine solche Struktur
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der Entscheidungsfindung hilft dabei, nichts Wesentliches zu übersehen
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und sichert ein sorgfältiges Vorgehen beim Sammeln und Abwägen von
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Fakten und Werten (vgl. Bleisch/Huppenbauer 2014:15; Hug 2014:225).
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Wichtig ist es dabei deskriptive Sein-Aussagen von normativen
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Sollensaussagen stets zu unterscheiden (vgl. Keller 2016:29).
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Gemäß Hug ist ein wichtiger erster Schritt die Identifikation ethisch
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relevanter Situationen, wobei es um die Schärfung einer Sensibilität für
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moralische Handlungen geht. Die Sozialarbeiterin soll realisieren, dass sie
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sich im Spannungsfeld einer ethischen Frage befindet und diese genauer in
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den Blick nehmen. Der zweite Schritt umfasst das Wahrnehmen der
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faktischen Situation. Beschreibend wird hier festgehalten, wie sich die
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Situation ganz konkret darstellt. Fakten werden skizziert: Wie gestaltet sich
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aktuell die Esssituation mit der Klientin? Was möchte die Klientin selbst?
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Wie ist ihr Gesundheitszustand? Was weiß man (empirisch) über Risiken
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rapider Gewichtszunahme von adipösen Personen? Festgehalten werden
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hier aber auch Gefühlsäußerungen, beispielsweise wie eine Person auf
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vorgeschlagene Diätkost reagiert. Wichtig ist zudem eigene Gefühle wie
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beispielsweise Ekel zu identifizieren, um damit die Faktenlage nicht zu
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verfälschen (vgl. Hug 2014.:226 f.). Als nächstes geht es um Bewertung und
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die in der Situation eingelagerten moralischen Werte werden benannt. Im
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angeführten Beispiel wichtig ist sicherlich die Selbstbestimmung der
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Klientin, aber auch ihre Gesundheit. Die genannten Fakten und Werte
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werden nun in der Urteilsbildung abgewogen, es findet eine Beurteilung auf
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Basis professionsethischer Grundlagen sowie normativer Vorgaben statt. So
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finden sich im professionsethischen Diskurs oder auch im Berufskodex
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Aussagen dazu, unter welchen Bedingungen die Selbstbestimmung
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eingeschränkt werden darf (vgl. Hug 2014:227 f.). Mit dieser Urteilsbildung
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steht schließlich fest, wie die Situation ethisch einzuschätzen ist und
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mündet in eine schlüssige Argumentation, in der die Fakten und Werte
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überzeugend miteinander verbunden werden. Auf dieser Basis werden
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unter Berücksichtigung organisationaler Rahmenbedingungen – im Team
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oder möglichst auch gemeinsam mit Klientinnen – unterschiedliche
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Handlungsoptionen erarbeitet und bewertet. Die begründet ausgewählte
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Handlungsoption wird schließlich umgesetzt.
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