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I. Zusammenhänge zwischen Gewalt gegen Frauen und Gewalt gegen Kinder - Der Blick der Forschung
Barbara Kavemann
Zusammenhang von häuslicher Gewalt gegen die Mutter mit Gewalt gegen
Töchter und Söhne - Ergebnisse neuerer deutscher Untersuchungen
Das Interesse an der Situation von Mädchen und Jungen im Kontext häuslicher
Gewalt ist gestiegen. Seit Ende der 1990er Jahre kann in Deutschland eine beachtliche Entwicklung verzeichnet werden. Neuere Forschung hat dabei eine
große Rolle gespielt und maßgeblich Einfluss auf die fachliche und politische
Diskussion genommen. Einerseits führte die Rezeption von Forschungsergebnissen aus dem Ausland zu einer Intensivierung fachlicher Auseinandersetzung (Kavemann 2000, Kindler 2002 und 2004) und motivierte, Brücken
zwischen den Bereichen von Forschung und Praxis zu schlagen, die jeweils
spezifisch und voneinander getrennt die Belange von Frauen, Männern und
Kindern verhandeln (Hagemann-White 2005). Andererseits trugen Praxisevaluationen und neue Kooperationserfahrungen im deutschen Sprachraum
dazu bei, dass das Problem der Kinder, die im Kontext häuslicher Gewalt
leben müssen, in seiner Dringlichkeit erkannt und ernst genommen wurde
(WiBIG 2004 d). Nach wie vor bestehen jedoch getrennte Diskussionen und
Interventionskonzepte in den Bereichen, die den jeweils Beteiligten an Verhältnissen häuslicher Gewalt zugeordnet werden können: (1) Schutz und Unterstützung von (überwiegend) Frauen bei Gewalt in der Partnerschaft, (2)
Kinderschutz und Sicherung des Kindeswohls sowie (3) Umsetzung der Rechte von Vätern nach Trennung und Scheidung. Die Kommunikation zwischen
diesen Bereichen gestaltet sich weiterhin konflikthaft, häufig zum Nachteil
der Betroffenen.
Die Aktivität von Interventionsprojekten gegen häusliche Gewalt wie
sich in Deutschland interinstitutionelle Kooperationsbündnisse nennen (Kavemann et al. 2001) - legte den Schwerpunkt auf Gewalt gegen Frauen, hat
aber intensiv in den Bereich der Jugendhilfe und des Kinderschutzes ausgestrahlt. Seit Ende der 1990er Jahre hat sich hier viel Interesse und Aufmerksamkeit für Mädchen und Jungen entwickelt, deren Mütter häuslicher Gewalt
durch den Partner oder Expartner ausgesetzt sind.1 Unter Titeln wie „Wenn
1 Ergebnisse und Materialien z.B. unter www.big-interventionszentrale.de oder www.rigg-rlp.
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