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Modelle der Unterstützung für Mütter bei häuslicher Gewalt
traf die Mutter zutiefst, obwohl sie rational durchaus in der Lage war, die Legitimation dieser Wünsche anzuerkennen. Frau Minter beschrieb das Gefühl,
dass die Tochter Statthalterin des Vaters in der Familie wäre, der dadurch
seinen Zugriff auf sie nie ganz verloren hätte. Jede Ähnlichkeit, die sie bei
ihrer Tochter in Gesten oder im Äußeren feststellte, bestätigte sie in dieser
Wahrnehmung.
In den Elterngesprächen konnte herausgearbeitet werden, dass Frau Minter durch ihre Rigidität versucht hatte, die Tochter, bzw. dadurch ihren Mann,
in Schach zu halten, immer die Kontrolle zu behalten. Dies traf bei Sarah auf
heftigste Gegenwehr. Sie konnte die Autorität ihrer Mutter in keiner Weise
annehmen und akzeptieren. Sarah hatte durch das Miterleben und Miterleiden der häuslichen Gewalt während ihrer frühkindlichen Entwicklung quasi
mit der Muttermilch gelernt, dass die Mutter Opfer ist. Die Mutter wurde
abgewertet, konnte sich nicht wehren und hatte der Macht und Kontrolle des
Partners über sie nichts entgegenzusetzen. Diese Haltung wurde von Sarah
internalisiert ohne Erinnerung an das tatsächliche Geschehen. Von daher waren alle Versuche der Mutter, der Tochter klare Grenzen zu setzen, ihr mit rigiden Strafen einen ihrem Alter nicht mehr angemessenen Rahmen zu geben,
von vornherein zum Scheitern verurteilt. Mutter und Tochter befanden sich
zu dem Zeitpunkt, da Sarah (15 Jahre) um Aufnahme im Mädchennotdienst
bat, in einer Spirale von Aggression und Wut, Anklage und Gegenanklage,
Forderungen und offensiver Verweigerung.
Es schien Frau Minter große Erleichterung zu bringen, zugeben zu dürfen,
dass es eine große Ambivalenz in ihr gibt. Sie liebt ihre Tochter und wünscht
sich gleichzeitig, dass sie geht, hasst in ihr die Anteile des gewalttätigen Vaters. In intensiven Gesprächen mit der Tochter konnte sie ihr zugestehen, zunächst in ein betreutes Wohnen zu gehen, mit der Option, nach gemeinsamer
Beziehungsarbeit aus einem räumlichen und gewissem zeitlichen Abstand
heraus vielleicht wieder zusammenzuziehen. Der wichtigste Aspekt war vor
allem für Sarah, dass sie ohne Schuldzuschreibungen gehen konnte.
Beschreibung der Einrichtung
Dieses Beispiel einer Krisenintervention unter Berücksichtigung der Erfahrung von häuslicher Gewalt der Mutter ist nur eines von vielen aus unserer
täglichen Arbeit im Mädchennotdienst. Der Mädchennotdienst in der Trägerschaft von Wildwasser e.V. besteht aus einer Anlaufstelle und einer Krisenwohnung. In den Zeiten, zu denen die Jugendämter geschlossen sind, obliegt
die Entscheidung über die Inobhutnahme eines hilfesuchenden Mädchens
den Mitarbeiterinnen. Zum nächstmöglichen Zeitpunkt wird mit einem/einer
Mitarbeiter/in des Jugendamtes besprochen, ob eine mädchenspezifische Clearingphase notwendig erscheint. Während dieser Zeit kann der jeweilige konkrete Hintergrund des Mädchens mit seinen Ressourcen und Gefährdungen