2026-001/documents/theory/diagnostics/handbuch-kinder-und-haeusliche-gewalt/pages/333.md

31 lines
2.0 KiB
Markdown

Psychodramatische Gruppentherapie für Mädchen und Jungen
335
der Gruppenstunden und die sich daraus ergebenden Eltern- und Helferkontakte kosteten viel Zeit, führten schließlich aber zu einer umfassenden und
vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Familie.
Kinderpsychodrama
Bedeutung der Gruppenerfahrung
Kinder können im gemeinsamen Spiel ihre Konflikte und Ressourcen aktiv
und ganzheitlich ausleben. Die Gruppe erlaubt den Kindern in Rollen zu
schlüpfen, die nicht durch Alter, Geschlecht oder familiäre Aufträge festgelegt sind. Das Setting einer Gruppe birgt nicht zuletzt die große Chance
und Herausforderung, sich den anderen zu stellen: eigene Wünsche und Bedürfnisse zuzulassen und zu erkennen, Ansprüche zu stellen, Kompromisse
auszuhandeln, Normen, Regeln und Sanktionen mitzugestalten und zu akzeptieren. (vgl. Aichinger/Holl 1997). Gruppenerfahrungen sind somit immer
auch kooperative, solidarische Gemeinschaftserfahrungen, die gerade für
Kinder aus Familien, die genau daran scheitern, von wesentlicher Bedeutung
sind. Gruppentherapie ist nicht nur ein Ort, in dem Szenen der Familie und
der eigenen Lebenswelt reinszeniert werden, sondern stets auch neu formiert
und dadurch soziale Kompetenz entwickelt werden kann. (vgl. Petzold, 2004).
Nach Moreno (1973) dem Begründer der Gruppenmethode “Psychodrama“,
geht es dabei immer um die Förderung von Spontaneität und Kreativität, um
die Ausgestaltung und Entwicklung neuer Rollen und Verhaltensweisen.
Aktivierung beider Gehirnhälften
Das Spielen der Geschichten mit dem ganzheitlichen Einsatz des Körpers, der
Motorik, der Bewegung, ebenso wie auch der Einsatz des Geistes, der Kreativität und der Aktivierung aller Sinne ermöglicht Lerneffekte sowohl auf kognitiver wie auch auf intuitiv-emotionaler Ebene. Beide Hirnhälften werden
dabei angesprochen, aktiviert und in Verbindung gebracht. Aus der neueren
Hirnforschung wissen wir, wie wichtig es für die Entwicklung des Gehirns
ist, dass die Durchlässigkeit dieser Verbindungen gefördert wird.