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einer andern Einschätzung der Fallthematik und möglicherweise zu
anderen diagnostischen Erkenntnissen und Zielsetzungen führen. Dabei ist
zu berücksichtigen, dass für viele Klienten das Ausrichten auf Ziele eine
neue Kultur darstellt, weil sie aufgrund ihrer Biografie vor allem
bedürfnisorientiert leben, um ihren Alltag meistern zu können (vgl.
Pantuček -Eisenbacher 2019:106 f.).
Orientiert sich die Sozialarbeiterin zu stark an den momentanen
individuellen Bedürfnissen, Wünschen und Vorstellungen von Klientinnen,
kann es geschehen, dass Arbeitsschwerpunkt und Ziele dauernd verändert
und die wirklichen Probleme nicht angegangen werden. Dabei besteht die
Gefahr, dass die Sozialarbeiterin »schließlich in Abhängigkeit von den
Wünschen und Ambivalenzen der KlientInnen agiert, die ihrerseits oftmals
zwischen Veränderungs- und Beharrungstendenzen schwanken« (Heiner
2010:453). Das gemeinsame Entwickeln von Zielen stellt auch eine Antwort
dar auf die ethische und fachliche Anforderung, Klientinnen nicht zu
manipulieren, weil man ja nur das Beste für sie erreichen möchte und
möglicherweise glaubt, den Verbesserungsbedarf bereits erkannt zu haben.
Hier wird das Strukturmerkmal der Koproduktion ( Kap. 3.2.4)
bedeutungsvoll.
Gelingt es, sich in einem Unterstützungsprozess auf Ziele zu einigen,
ermöglicht dies allen Beteiligten, einen Überblick über den Prozess zu
gewinnen, Prioritäten zu setzen, Klarheit zu schaffen und das Handeln zu
fokussieren. Vereinbarte Ziele sind demnach handlungsleitend, bilden die
Grundlage, um Interventionen zu planen, zu strukturieren und zu
koordinieren. Sie sichern Effektivität, steigern die Effizienz und ermöglichen
erst Evaluation (vgl. Neuffer 2013:107 f., Possehl 2002b:2). Das bedingt oft
einen längeren Aushandlungsprozess, weil viele Perspektiven,
Werthaltungen, Deutungen und unterschiedliche Interessen der Beteiligten
einfließen. Erschwerend wirken sich bei vielen Klientinnen deren
biografische Erfahrungen des Scheiterns aus, verbunden mit teils
tiefsitzenden Kränkungen und Misserfolgserfahrungen, die den Blick für
Erreichbares verstellen. In solchen Situationen kann es hilfreich sein, die
Perspektive weg von Einschränkendem, Kränkendem hin zu mehr
Gelingendem zu öffnen, andere, positive Gefühle zu ermöglichen, damit sich
Klientinnen (wieder) etwas zutrauen und die Misserfolgsspirale
durchbrochen werden kann. In der Sozialen Arbeit wie auch in
verschiedenen Nachbardisziplinen (wie z. B. Gesundheitswissenschaften,
Psychotherapie, Pädagogik) haben sich wohl nicht zuletzt deshalb in den
letzten Jahren verschiedene Handlungsansätze entwickelt, die den Fokus
vor allem auf die Selbstermächtigung (Empowerment),
Lösungsorientierung oder Ressourcenorientierung richten. Gerade der
Lösungsorientierte Ansatz kann sich bei der Zielfindung als sehr hilfreich
erweisen, weil er vorsieht, sich am Gelingenden zu orientieren wie auch an
möglichen Lösungen.
11.2
Die Arbeit mit Zielen in anderen Konzepten
Im Sinne eines Exkurses wird im Folgenden der lösungsorientierte
Handlungsansatz vorgestellt. Ergänzt wird diese Perspektive mit
grundlegenden Ausführungen zum Zürcher Ressourcen Modell, dem seit