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ebd.:18 f.). Dieses strukturelle Technologiedefizit ist ein Strukturmerkmal
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nicht nur für die Pädagogik, sondern auch für die Soziale Arbeit. Deshalb ist
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das professionelle Handeln kaum standardisierbar. Es gibt keine Rezepte für
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die Problemlösung, Aufgaben können nicht gemäß Bedienungsanleitung
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erledigt werden. Immerhin stehen mittlerweile Modelle zur Verfügung,
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welche die Bearbeitung von Fällen strukturieren ( Kap. 7). Gleichwohl
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bleibt die Wirkung einer sozialarbeiterischen Intervention ergebnisoffen.
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Prozesse in der Sozialen Arbeit sind also nur in beschränktem Sinne planund steuerbar. Eine Erklärung hierfür findet sich auch bei der politischen
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Philosophin Hanna Arendt (1996). Sie unterscheidet verschiedene Formen
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von ›Tätigsein‹. ›Handeln‹ wird jene Tätigkeitsform genannt, die sich auf das
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Geschehen zwischen Menschen bezieht. Charakteristisch für diese
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Tätigkeitsform ist, dass der Mensch die Folgen des Handelns weder
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bestimmen noch kontrollieren kann. Denn eine klare Verbindung zwischen
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Mittel und Zweck gibt es nur bei der Tätigkeit des ›Herstellens‹: Beim
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Herstellen geht es um das Hervorbringen eines bestimmten Produkts, eines
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materiellen Dings, es geht um das Verfolgen eines Zwecks, zu dem der
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Herstellungsprozess selbst nur das Mittel ist. Das Handeln folgt
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demgegenüber keiner Herstellungslogik: Handeln beinhaltet die Möglichkeit,
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etwas Neues, Unvorhergesehenes anzufangen, in die Welt zu bringen. Was
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mit diesem ›Neuen‹ geschieht, welche Prozesse dabei in Gang gesetzt
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werden, entzieht sich dem Einfluss der Handelnden. Handeln hat immer
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unabsehbare Folgen, welche der Einzelne nicht kontrollieren kann.
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Sozialpädagoginnen können mit ihrem Handeln also Prozesse in Gang
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setzen, deren Fortgang – die Wirkung – jedoch können sie nicht
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vorhersehen und bestimmen.
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Notwendigkeit von Fallverstehen
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Das strukturelle Technologiedefizit kann nur durch einen fallspezifischen
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rekonstruktiven Zugang kompensiert werden. So umschreiben Dewe/Otto
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professionelles Handeln als personenbezogenes kommunikatives Handeln
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»auf der Basis und unter Anwendung eines relativ abstrakten, Laien nicht
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zugänglichen Sonderwissensbestandes sowie einer praktisch erworbenen
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hermeneutischen Fähigkeit der Rekonstruktion von Problemen defizitären
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Handlungssinns« (Dewe/Otto 2011:1139). Das Handeln sei typischerweise
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auf komplexe, prinzipiell als ganzheitlich zu betrachtende soziale
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Problemfälle bezogen, die sich wegen ihrer situativen Dichte,
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Kontextabhängigkeit und Spezifität nicht standardisieren lassen. Sie
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kennzeichnen dies als Strukturprinzip der ›Einheit von Wissensbasis und
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Fallverstehen‹ (vgl. ebd.). Aus der äußerst geringen Standardisierbarkeit des
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Handelns ergibt sich die Notwendigkeit für Professionelle, Theoriewissen
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und fallbezogenes Wissen aufeinander zu beziehen und Wissen in Handeln
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übersetzen zu können (vgl. u. a. Gildemeister 1992:313, Oevermann
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1996:126, Gildemeister/Robert 1997:24). Diese ›widersprüchliche Einheit‹
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von Orientierung an wissenschaftlichem Wissen und Erklären einerseits
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und Fallverstehen andererseits gilt als weiteres Strukturmerkmal der
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Sozialen Arbeit.
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Die Problemlagen von Klientinnen der Sozialen Arbeit sind
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typischerweise komplex, Schwierigkeiten der Lebenssituation und bewältigung zeigen sich individuell unterschiedlich. Sie können nur
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