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Insgesamt konstatiert Oevermann massive Strukturprobleme für das
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professionelle Handeln in der Sozialarbeit aufgrund der
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Rahmenbedingungen oftmals fehlender Freiwilligkeit und dem
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Kontrollauftrag, der unvereinbar sei mit dem Hilfeauftrag. Einzelne andere
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Wissenschaftler propagieren das Oevermannsche Arbeitsbündnismodell
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(u. a. Becker-Lenz 2005, Kutzner 2005), andere kritisieren daran die
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Betonung der Freiwilligkeit des Klienten als Voraussetzung, die in vielen
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Praxisfeldern der Sozialen Arbeit nicht vorhanden sei, weshalb sie auch
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theoretisch kein entscheidendes Kriterium sein könne (vgl. z. B. Heiner
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2004b, Kähler 2005). Müller (2002a) betont, es mache wenig Unterschied,
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ob der Leidensdruck von außen oder von innen komme (auch eine
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Zwangslage wie z. B. Überschuldung sei konstitutiv für die Motivation zu
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einem Arbeitsbündnis, aber sie beeinträchtige nicht die Freiheit des
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Klienten, sich für oder gegen ein solches Bündnis zu entscheiden).
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Nadai/Sommerfeld bemängeln, das idealtypische Modell von Oevermann
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sei kontextunabhängig und statisch formuliert (vgl. 2005:199). Kritisiert
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wird schließlich auch die »Verabsolutierung der therapeutischen Leistungen
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der Professionellen« (Dewe et al. 2002:47). Wir teilen diese Kritik, halten
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Oevermanns Überlegungen zur diffusen und rollenspezifischen
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Sozialbeziehung jedoch für einen wichtigen Beitrag zur
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Konzeptionalisierung der Arbeitsbeziehung in der Sozialen Arbeit.
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5.1.4
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Weitere Konzepte von Arbeitsbeziehungen in der
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Sozialen Arbeit
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Bislang haben wir Konzepte von Arbeitsbeziehungen in der Sozialen Arbeit
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dargestellt, die auf Erkenntnissen aus den Nachbarsdisziplinen Psychologie
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und Pädagogik aufbauen. Auch unabhängig von einer solchen theoretischen
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Anbindung ist in der Sozialen Arbeit über die Konzeption der
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Arbeitsbeziehung nachgedacht worden. So haben Ruth Bang in den 1960er
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Jahren und in allerjüngster Zeit Cornelia Schäfter je ein
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Arbeitsbeziehungskonzept entwickelt. Daneben finden sich bei
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verschiedenen Autoren Reflexionen über die Beziehung zwischen
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Professionellen und Klient, insbesondere bei Burkhard Müller, der zwar
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kein geschlossenes Konzept entwickelt hat, wohl aber in verschiedenen
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Aufsätzen und Büchern wichtige Aspekte eines Arbeitsbündnis-Modells für
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die Soziale Arbeit dargelegt hat. Auf seine Überlegungen sowie auf
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diejenigen von Maja Heiner soll ebenfalls eingegangen werden.
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›Emotionelles Angebot‹: Arbeitsbeziehungs-Modell von Bang
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Bang hat in ihrem Buch ›Die helfende Beziehung als Grundlage der
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persönlichen Hilfe‹ (1964) u. E. als erste dargestellt, welche elementare
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Bedeutung der Beziehung zwischen Sozialarbeiterin und Klientin in dieser
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Hilfeform zukommt. Auch wenn sich Bang primär auf die
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sozialarbeiterische Einzelfallhilfe bezieht, verweist sie an mehreren Stellen
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darauf, dass sich die Überlegungen auch auf die sozialpädagogische
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stationäre Kinder- und Jugendhilfe übertragen lassen (vgl. z. B. ebd.:99).
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Allerdings ist nicht jede Beziehung in der Sozialen Arbeit eine helfende
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