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Ein Beispiel für den Interventionsmodus Angebot: Das Einrichten eines
wöchentlichen Müttercafés im Stadtteilzentrum stellt zunächst eine
situationsbezogene materielle Ressource dar. Wenn die Sozialarbeiterin
beim Café-Treffen mit dabei ist, stellt sie den Nutzerinnen
personenbezogen die materielle Ressource Zeit zur Verfügung. Eine kurze
Informationsveranstaltung über familienergänzende
Kinderbetreuungsmöglichkeiten kann als situationsbezogene
immaterielle Ressource bezeichnet werden, das Vermitteln von Kontakten
oder das vertiefte Gespräch mit einer Frau über die Spielsucht ihres
Lebensgefährten als personenbezogene immaterielle Ressource.
Uns erscheint insbesondere die Unterscheidung zwischen situations- und
personenbezogenen Interventionen wichtig. Vielfach fokussieren
Professionelle der Sozialen Arbeit die Ebene der Person. In
Beratungsgesprächen, bei denen gemeinsam an einem Bildungsziel einer
Klientin gearbeitet wird (z. B. den eigenen Tagesablauf zufriedenstellend
strukturieren zu können), ist dies auch angemessen. In stationären
Kontexten beispielsweise gilt es darüber hinaus, die Möglichkeit der
Gestaltung von Situationen so zu nutzen, dass indirekt auf das Verhalten
der Klienten eingewirkt werden kann.
Beispiel: In einer Wohngruppe für Jugendliche ist die Haushaltsführung
als Gruppenaufgabe definiert. In regelmäßigen Abständen wird
ausgehandelt, wer wann welche konkreten Aufgaben übernimmt. Einem
Jugendlichen, der allgemein Schwierigkeiten hat, die Konsequenzen
seines Handelns abzuschätzen und über einige (durchaus ausbaufähige)
Ressourcen im Bereich des Kochens verfügt, kann nahe gelegt werden, die
Zuständigkeit für die Zubereitung der Mahlzeiten zu übernehmen.
Unter anderem hat Uhlendorff in seinem Konzept sozialpädagogischhermeneutischer Diagnostik auf das Potential hingewiesen, das in der
Gestaltung von Lernumgebungen und in spezifischen Aufgabenstellungen
für Jugendliche liegt (vgl. 1999:130 ff., Kap. 10.3.3). Auch in der
Behindertenhilfe sind situationsbezogene Interventionen bedeutsam.
Ein Beispiel aus einem stationären Wohnangebot für Menschen mit
schweren kognitiven und Mehrfachbeeinträchtigungen: Ein Mann, der
sich nicht verbal ausdrücken kann, räumt mit großer Regelmäßigkeit den
Kleiderschrank in seinem Zimmer leer und verteilt die Kleider auf dem
Boden. Alle Interventionen Ermahnung, gemeinsames
Wiedereinräumen, Belohnung und Bestrafung fruchten nichts. Der
Unmut bei den Professionellen wird immer grösser. Schließlich wird der
Kleiderschrank versuchsweise aus dem Zimmer hinaus in den Flur
gestellt. Ab sofort ist Kleider ausräumen kein Thema mehr.
Veränderungen der Situation bergen oft einen großen Mehrwert gegenüber
personenbezogenen Interventionen. Sozialpädagogen können mit einem
fallverstehenden und situationsbezogenen Zugang und ihrer Kreativität viel
bewirken.