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der körperlichen und psychischen Verletzlichkeit aller Menschen und ihrer
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potentiellen Hilfebedürftigkeit (Brumlik 2004) auszugehen wie auch davon,
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dass Beziehungen zwischen Professionellen und Klientinnen der Sozialen
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Arbeit asymmetrisch sind ( Kap. 3.2.4). Hier erweisen sich Positionen der
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Care-Ethik als sehr hilfreich, die »wechselseitige Hilfe und Aufmerksamkeit
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für Andere, Verantwortung und Wertschätzung des In-BezugSeins« (Grossmass 2006:9) ins Zentrum rücken. Die Wechselseitigkeit meint
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ein generelles Bezogensein auf Andere, das in Achtung der Menschenwürde
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dafür sorgt, dass jeder Mensch sofern nötig Hilfe bekommt und es als
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selbstverständlich erachtet, den möglichen Unterstützungs- oder
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Vernetzungsbedarf individuell genau zu ermitteln. Care-ethische Positionen
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gehen davon aus, dass der wichtigste moralische Aspekt der helfenden
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Interaktion im Ausbalancieren der zu Grunde liegenden Asymmetrie besteht
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(vgl. ebd.:10). Da professionelles Handeln in der Praxis oft intuitiv durch
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Verknüpfung von Wahrnehmung, Erfahrungswissen, Bewertung,
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Befindlichkeit, Situation und Handlungsimpuls geschieht und die Gefahr
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von Stereotypenbildungen und einseitigen Bewertungen in sich birgt, ist
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eine ethische Reflexion in jeder Phase des Hilfeprozesses nötig, so Tronto
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(vgl. 1993:106 ff.).
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Im Folgenden sollen drei Grundhaltungen dargestellt werden, die aus
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professionsethischer Sicht als Grundmuster sozialarbeiterischen Handelns
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betrachtet werden können.
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Haltung der Aufmerksamkeit
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Es ist davon auszugehen, dass viele Klientinnen der Sozialen Arbeit neben
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ihrer prekären Lebenslage und Notsituation und/oder (Lebens-)Krise
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fundamentale Erfahrungen in verschiedenster Hinsicht mit Missachtung
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gemacht haben: Missachtung ihrer Grundbedürfnisse, Missachtung ihrer
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Bemühungen, das eigene Leben trotz widrigsten Umständen
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selbstverantwortlich zu meistern, verweigerte Anerkennung dazu zu
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gehören, Teil einer Gemeinschaft zu sein etc. Solche Erfahrungen
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verweigerter Teilhabe und Anerkennung führen bei vielen Menschen zu
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einer tief sitzenden Scham, die sich lähmend auf die eigene Motivation
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auswirken und bis zu einer generellen Perspektivlosigkeit führen kann (vgl.
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Honneth 1992:219). Wie es auch Thiersch (1995) ausdrückt, wollen
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Menschen in ihrem Sosein, in ihren Bemühungen den eigenen Alltag zu
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meistern, ernst genommen werden. Dazu ist eine Haltung der
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Aufmerksamkeit gefragt, »eine Aufmerksamkeit, die durch eine würdevolle
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Behandlung das Ringen des Adressaten um Anerkennung um seiner selbst
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willen Beachtung schenkt« (Lob-Hüdepohl 2007:139). Ethisch reflektiertes
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Handeln verlangt eine aufmerksame Grundhaltung, die einerseits die
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Bedürftigkeit und Verletzlichkeit der Klientin beachtet, sie aber auch in
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ihrer Andersartigkeit und ihrem Anderssein respektiert. Aufmerksam sein
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bedeutet auch kritisch hinzuschauen, wo die Klientin
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Mißachtungserfahrungen ausklammert, verstärkt oder mit verursacht.
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Haltung der Achtsamkeit
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