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die traditionell in Familie und Nachbarschaft und in ehrenamtlichen
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Tätigkeiten in Vereinen oder der Gemeinde wahrgenommen wurden (
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Kap. 2.2.2). Ob man wirklich institutionellen und professionellen Aufwand
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brauche für diese Aufgaben, die früher doch auch anders und
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unaufwändiger bewältigt worden seien, stehe immer wieder in Frage. Diese
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geringe Akzeptanz führe zu Selbstzweifel der Sozialen Arbeit (vgl. Thiersch
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2002:210). Auch Galuske verweist auf die Schwierigkeit der Sozialen Arbeit,
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Kompetenzansprüche durchzusetzen, die solche des täglichen Lebens sind.
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Die Probleme, mit denen es die Soziale Arbeit zu tun habe, seien häufig so
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beschaffen, dass es insbesondere für Laien schwer zu durchschauen ist,
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warum es zu ihrer Lösung eine spezifische Kompetenz braucht (vgl. Galuske
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2013:44 ff., Galuske/Müller 2012:591). Aufgrund der diffusen
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Allzuständigkeit sind also auch Mandat und Lizenz der Sozialen Arbeit nur
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teilweise klar.
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Geringe Spezialisierung, fehlende Monopolisierung, eine systematisch
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unklare und nicht eingrenzbare Zuständigkeit sowie die Bewältigung von
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Ungewissheit sind konstitutiv für die Soziale Arbeit. Damit ist eine erste
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Strukturbedingung professionellen Handelns benannt. Diese gilt es bei den
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Ausführungen zu kooperativer Prozessgestaltung in Teil II zu
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berücksichtigen. So folgt aus dem Strukturmerkmal diffuser
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Allzuständigkeit u. a., dass in jedem Fall die Thematik zunächst eingeschätzt
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und ausgehandelt, dass die Frage der eigenen Zuständigkeit geklärt und die
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Grenzen der Intervention gemeinsam mit einer Klientin oder einem
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Klientensystem ausgehandelt werden muss, und dass die professionelle
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Unterstützung eines Klienten oft in Zusammenarbeit mit anderen
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Fachkräften realisiert wird.
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3.2.2
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Doppelte Loyalitätsverpflichtung
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Eine der Klassikerinnen der Sozialen Arbeit, Gertrud Bäumer, hat den
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Professionalitätsanspruch Sozialer Arbeit aus der Entwicklung von
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Institutionen abgeleitet ( Kap. 3.1.2) und gefolgert, dass die
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Institutionalisierung der Problembearbeitung – und damit der
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Organisationskontext – wichtige Aspekte eines Professionalitätsmodells
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Sozialer Arbeit sind. Diese institutionelle Einbindung beinhaltet zugleich
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spezifische Probleme.
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Widersprüchliche Handlungslogiken
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Soziale Arbeit ist gekennzeichnet durch eine starke Abhängigkeit von
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staatlicher Steuerung und direkter Einbindung in bürokratische
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Organisationen. Sie agiert im Rahmen eines weit verzweigten,
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komplizierten Sozialrechts ( Kap. 4.2), ist abhängig von staatlicher
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Finanzierung und zumeist eingebunden in bürokratische Strukturen mit
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bestimmten geregelten Verfahrensabläufen (vgl. Gildemeister 1992:210;
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Galuske 2013:51). Die Einbettung des professionellen Handelns in
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bürokratische Organisationen wird in der Literatur kritisch bewertet, und
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sie hat weitreichende Konsequenzen. Sozialarbeiterinnen agieren einerseits
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im administrativ-rechtspflegerischen Bereich sozialer Kontrolle bzw.
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