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Hochuli Freund
31.7.17 S. 204
Teil 2 Arbeitsfeldspezifische Konkretisierungen und Arbeitsmaterialien
Tab. 5: Fallbesprechung Diagnose Fortsetzung
Schritt 1: Fallverstehen
Alltagsbasierte Erklärungen mit
bösem und freundlichem Blick
Theoriegeleitetes Fallverstehen84
• Welche Theorien oder Studien könnten hilfreich sein, diese Fallthematik zu erhellen (mindestens zwei unterschiedliche Zugänge)?
• Fallüberlegungen anstellen: Wie kann ein Fall mit Hilfe eines Ausschnittes dieser Theorie beschrieben werden?
• Erklärende Hypothesen bilden: prägnante Erklärungen auf die Fallthematik beziehen, Erklärungen auf den Punkt bringen (weil …‹);
• Gewichtung/Validierung: Alle erklärenden Hypothesen werden gesichtet in Hinblick auf sich wiederholende Aspekte/wichtige Erklärungen.
Eine wichtige Überprüfungsfrage ist, ob die Klientin dem zustimmt/zustimmen würde. Eine weitere mögliche Überprüfungsfrage lautet: Haben wir nun etwas besser verstanden?
• Arbeitshypothese bilden (wenn …, dann ...): Welche Aspekte/Erklärungen sollten unbedingt berücksichtigt werden? Und was soll ermöglicht werden?20
Diagnose-Gespräch
mit Klient
Möglicher Einleitungstext der Moderation:
. Wir nehmen nun alle bewusst eine kalte Haltung ein und schauen mit
Wenn die Klientin bei der Fallbesprechung Diagnose mit dabei ist, dann
ist ganz besonders auf eine achtsame, wertschätzende Haltung und Sprache zu achten und deutlich zu machen, dass es nicht um Wahrheit geht,
sondern um einen Versuch zu verstehen: dass die Fachkräfte gemeinsam
versuchen zu erklären, warum manches (gemäss Fallthematik) für die
Klientin so schwierig ist, damit man danach wirklich hilfreiche Interventionen finden kann. Und dass die Klientin, wenn sie zuhört, vielleicht
manches selber besser versteht.
Es empfiehlt sich, die Rolle des Klienten(-Systems) eingangs sorgfältig zu
klären. Eine bewährte Möglichkeit ist, den ersten Teil als reflecting team
zu gestalten, bei dem ein Klient ausschliesslich zuhört. Danach wird er
explizit mit einbezogen:
.
bösem Blick auf die Klientin X (so, wie wir es sonst nie tun würden!).
Bitte äussert alle negativen Erklärungen (auch scheinbar völlig abwegige), warum sich die Klientin so (unmöglich) verhält.18
Nun wechseln wir den Standort und nehmen alle eine ganz empathische, freundliche Haltung ein. Wir blicken mit warmem, verständnisvollem Blick auf die Klientin X. Bitte äussert Erklärungen, warum
sich Klientin X vielleicht aus gutem Grund auf diese Art und Weise verhält, warum ihr Verhalten Sinn macht.
Anschliessendes Vorgehen:
• Die wichtigsten Erklärungen auf den Punkt bringen; nach Theorien
suchen, mit denen sich diese erfahrungsbasierten Erklärungen ausdifferenzieren lassen und/oder Arbeitshypothese formulieren.
18 Sinn davon ist, Gedanken auszusprechen, die fachlich gesehen eigentlich unhaltbar,
aber eben doch manchmal vorhanden und damit wirksam sind und das professionelle
Handeln unbewusst prägen. Sind diese negativen Gedanken ausgesprochen, können
sie reflektiert und diskutiert werden.
19 Genauere Ausführungen in: Hochuli Freund/Stotz 2015:220236.
20 Beispiel für eine Arbeitshypothese: Wenn Klientin X Möglichkeiten findet sich zu
regenerieren, Schwierigkeiten von sich aus anspricht und auch ausserhalb des professionellen Unterstützungssystems vertrauensvolle Kontakte knüpfen kann, dann bestehen gute Chancen, dass sie ihre Ausbildung abschliessen kann.
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