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Raw Blame History

Kinder und Jugendliche in ihren Bildungsprozessen so schwierig ist und für sie wie auch für ihr Umfeld zu einem Problem geworden ist. Uhlendorff unterteilt seine Methode in vier Schritte, die in einer Zusammenfassung kurz vorgestellt werden. Zu Beginn werden Kinder oder Jugendliche ermuntert, über ihre Lebenssituation sowie über ihre Selbst- und Lebensentwürfe zu sprechen. Basierend auf Erfahrungswerten geht Uhlendorff davon aus, dass Kinder ab dem 10. Lebensjahr in der Lage sind, ihre Selbst- und Weltdeutungen sprachlich mitzuteilen. Die Aufgabe einer sozialpädagogischen Diagnose besteht zunächst darin, möglichst nahe an den Klienten, z. T. in deren Sprache, die Schwierigkeiten zu beschreiben, die sie bei ihrer Lebensgestaltung haben, und die konflikthaften Lebensthemen eines Jugendlichen herauszuarbeiten. Dies geschieht in einer »möglichst dichten Beschreibung der Selbst- und Weltdeutungen des oder der Jugendlichen« (Uhlendorff 1999:131). Diese Deutungen können auch in Form von Verallgemeinerungen im Sinne einer Gruppendiagnose geschehen und auf Lebensthematiken oder Deutungsmuster einer Gruppe hinweisen. Nun wird ein Bezug geschaffen zu den Normalitätserwartungen unserer Kultur, die sich u. a. in den allgemeinen Entwicklungsaufgaben widerspiegeln. Kinder, Jugendliche haben sich beim Aufwachsen mit altersgemäßen Aufgaben auseinander zu setzen, die von verschiedenen Instanzen vermittelt gelöst werden sollen, damit die Sozialisation gelingt. Da Jugendhilfe oft dann auf den Plan tritt, wenn das Bewältigen dieser Entwicklungsaufgaben gefährdet ist, hat sie diese gesellschaftlichen Normalitätserwartungen nach Uhlendorff transparent zu machen. Er hat aus diesem Grund mit Hilfe von 100 Interviews ein heuristisches Modell von Entwicklungsaufgaben entwickelt, die er für die Diagnose in vier pädagogisch relevante Kategorien aufteilt. (In der ursprünglichen Fassung vgl. Uhlendorff 1997 wurde aus der Devianzforschung unter dem Stichwort Devianz eine fünfte Kategorie eingebracht, die in späteren Darlegungen der Methode aber nicht mehr auftaucht vgl. Uhlendorff u. a. 1999, 2006.). Die erste Dimension betrifft die Entwicklung des Selbst (Selbstentwürfe), die zweite hängt mit dem Thema zeitlicher Schemata zusammen. Mit Körperkonzepten wird die dritte Entwicklungsdimension gefasst und schließlich geht es um moralische, normative Orientierungen. Unter Einbezug verschiedener Entwicklungsmodelle formulierte Uhlendorff 90 Entwicklungsaufgaben, die Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 10 und 24 Jahren zu bewältigen haben. Aufgeteilt in die vier beschriebenen Kategorien und nach Entwicklungsetappen geordnet, entstand ein Diagnosemanual, das als Grundlage für die Interpretation der Interviews dienen kann. Die dritte Diagnoseaufgabe besteht nun darin herauszuarbeiten, welches gemäß Manual die anstehenden Entwicklungsaufgaben sind, mit denen eine Jugendliche nicht klar kommt. Es geht also darum, an diesem Punkt die genauen Entwicklungserwartungen zu erkennen. Aufgrund dieser Erkenntnis sollen von den Sozialpädagoginnen entsprechende Aufgabenstellungen entworfen, entwicklungsfördernde Tätigkeitsangebote und ein angemessenes Lernumfeld geschaffen werden. Vorgesehen ist in einem letzten Schritt, die Aufgabenstellungen mit den Jugendlichen zu diskutieren und anzupassen (vgl. Uhlendorff 1999:130 ff.).