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Psychodramatische Gruppentherapie für Mädchen und Jungen
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Raum, ist die Gefahr groß, dass das Spiel im Chaos endet oder die Kinder nicht zusammen, sondern einzeln oder in Grüppchen spielen. Wir stellten fest, dass es die Kinder wenig gewohnt waren, den anderen zuzuhören, die andere Meinung gelten zu lassen, sich auf die Wünsche des anderen einzulassen. Ebenso wenig waren sie es gewohnt, sich für die eigenen Bedürfnisse einzusetzen, dafür zu werben oder zu überzeugen und Kompromisse vorzuschlagen. Dies hat sich jedoch im Verlauf der Gruppensitzungen deutlich verbessert. Die Kinder wussten genau, solange das Gemeinsame, das Verbindende der Geschichte nicht gefunden ist, wird nicht mit dem Spiel begonnen und die Zeit, die sie für das Aushandeln und für die Konsensfindung brauchen, geht von ihrer (mit großer Lust erlebten) Spielphase ab. Sich auf ein gemeinsames Spielthema zu einigen, hieß aber nicht, dass die Kinder immer gemeinsam miteinander spielen mussten, sondern nur, dass wir die unterschiedlichen Wünsche und Vorschläge zusammenbringen mussten. So kam es häufiger vor, dass sich die Spielwünsche der Mädchen von denen der Jungen unterschieden. Gegen Gruppenende hin wollten die Mädchen beispielsweise lieber „Hunde“ sein und „Familie“ spielen und die Jungen „Wesen vom anderen Stern“ sein und „ miteinander kämpfen“. Aus unserer Sicht sollte beides Platz haben, sowohl der regressive Wunsch, die Suche nach Sicherheit und Geborgenheit, als auch die expansive Seite, die Suche nach Autonomie und Ablösung. Aber es musste eine Rahmenhandlung kreiert werden, dass beide „Welten“ miteinander in Kontakt kommen und sich auch füreinander interessieren konnten. So überbrachten wir Therapeuten in der Rolle von Botschaftern der Familie die Nachricht, dass sich Wesen vom anderen Stern auf der Erde aufhielten. Es sei noch unklar, ob diese gefährlich seien oder nicht. Als die Wesen vom anderen Stern dann das Kind der Familie entführen wollten, gab es eine Auseinandersetzung zwischen beiden Lagern. Mit Hilfe eines aufmerksamen Wachhundes und unter Einsatz aller anderen Familienmitglieder konnte die Entführung dann verhindert werden. Wenn wir diese Aushandlungs- und Einigungsprozesse auf die reale familiäre Situation übertragen, so scheint uns dies ein wichtiges Modell zu sein. Die Kinder sollten erleben, dass es in Ordnung ist, dass jedes Familienmitglied unterschiedliche Bedürfnisse und Wünsche hat, dass aber dennoch ausgehandelt werden muss, wie diese zusammengehen. Zuhause erfahren sie in der Krisensituation, dass Konflikte und eben auch unterschiedliche Meinungen und Bedürfnisse mit Gewalt, Geschrei und massivem Streit ausgetragen werden und dass sich Eltern trennen. Hier konnten sie die Erfahrung machen, dass sich die Geduld des Zuhörens, Aushandelns, Miteinandereinigens lohnt und dass die eigene Kompromissbereitschaft ein wichtiger Beitrag für das Gelingen eines gemeinsamen Ganzen ist. Sie konnten erleben, dass das gelungene gemeinsame Spiel größeren Spaß, und Reichtum bedeutet als die ausschließliche Verfolgung eigener Bedürfnisse; dass der Verzicht von Teilen eigener Vorstellungen und Ansprüche zugunsten des Gemeinsamen größere Freude bringt.