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Herausforderungen an die soziale und pädagogische Arbeit
und welche Herausforderungen sich für die pädagogische Arbeit ergeben können12.
Generationen- und Geschlechterverhältnisse im Mikrokosmos Frauenhaus Männliche Jugendliche nehmen ihren Aufenthalt im Frauenhaus individuell und entsprechend unterschiedlich wahr. Je nachdem wie lange, wie häufig und intensiv sie die Misshandlungserfahrungen ihrer Mütter, oder aber ihre eigenen erleben mussten, aber auch abhängig von den jeweiligen Beziehungs-, Unterstützungs- und Interaktionsangeboten durch andere Institutionen und Personen, können sich mehr oder minder starke Verhaltensauffälligkeiten oder aber introvertiertes Rückzugsverhalten bei den Jugendlichen zeigen. Einzelne Jungen zeigen aggressives, zerstörerisches Verhalten, hinter dem häufig Ängste, Unsicherheiten oder die Sehnsucht nach Nähe und Unterstützung stehen , womit die Aufmerksamkeit der Bewohnerinnen oder Mitarbeiterinnen auf sich gezogen und darüber hinaus vermeintliche „Männlichkeit“ symbolisiert wird. Andere Jungen hingegen äußern ihre Unsicherheiten, indem sie sich weitgehend aus dem Frauenhausalltag zurück ziehen, in ihrem Zimmer verbleiben oder außer Haus die Zeit mit anderen Jugendlichen verbringen, da diese aus Sicherheits- und Anonymitätsgründen keinen Zugang ins Frauenhaus haben. 12 Das Autonome Frauenhaus Lübeck besteht seit 1978 und verfügt heute über insgesamt vierzig Plätze für Frauen und ihre Kinder. Die finanzielle und personelle Ausstattung kann im Vergleich zu anderen autonomen Frauenhäusern als gut beschrieben werden, was u. a. auf die intensiv geführten politischen Verhandlungen und Kämpfe sowie auf die zahlreichen öffentlichkeitswirksamen Aktionen und Veranstaltungen der aktiven Mitarbeiterinnen, Bewohnerinnen und Vereinsfrauen zurück zu führen ist. Dabei zeichnet sich das Konzept des Frauenhauses durch seinen ausgeprägten „Empowermentansatz“ aus, der z. B. Haus- und Rathausbesetzungen im Zuge von Wohnraumknappheit bzw. Finanzkürzungen bedingte sowie zur Produktion von Videofilmen, zu Planungen und Durchführungen von diversen politischen oder kulturellen Großveranstaltungen durch ehemalige Bewohnerinnen führte (vgl. frauen helfen frauen e. V. 2000). Auch in der Arbeit mit Mädchen und Jungen gilt dieser Ansatz als selbstverständlich, weshalb Partizipation sowie Peer-Education-Ansätze zum pädagogischen Konzept in der Kinder – und Jugendarbeit gehören und auch hier zu diversen öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen führten, die auf die besondere Situation von Mädchen und Jungen in Frauenhäusern aufmerksam machten (vgl. Henschel 2003, Henschel in Sozial Extra 4/02: 30 f). Die im Frauenhaus lebenden Bewohnerinnen haben in der Regel die Möglichkeit, sich ein Zimmer allein mit ihren Kindern zu teilen. Für die Mädchen und Jungen stehen innerhalb des Hauses mehrere Räume zur Verfügung, die als Spielund Tobezimmer, oder als Rückzugsraum mit der Möglichkeit der Hausaufgabenbetreuung genutzt werden können. Darüber hinaus steht für die älteren Jugendlichen im Kellergeschoss ein sogenannter Jugendraum zur Verfügung. Sowohl für die Unterstützung der Frauen, wie für die Betreuung der Mädchen und Jungen im Haus, stehen eine gleiche Anzahl von ausgebildeten Fachkräften zur Verfügung (z. B. Sozialarbeiterinnen/Sozialpädagoginnen, Psychologin, Sonderpädagogin, etc.). Zur Zeit arbeiten die Mitarbeiterinnen, die in der pädagogischen Arbeit mit den Jungen und Mädchen tätig sind, an einem ausführlichen Konzept und einer Handreichung, die ab Herbst 2005 auch dazu dienen sollen, die fachlichen Diskussionen in anderen Frauenhäusern zu befördern.