2.8 KiB
184
Ein kritischer Blick auf die (familien-)rechtlichen Rahmenbedingungen
Müttern zu stärken. Es soll vermieden werden, dass es zu Misstrauen und zusätzlichen Verunsicherungen kommt, weil das Kind etwa nicht weiß, ob es etwas erzählen darf oder weil die Mutter misstrauisch ist, worüber mit dem Kind gesprochen wird. Mit den Kindern und über Gewalt zu sprechen, kann aber auch Ängste auslösen, vor allem wenn Gespräche durch MitarbeiterInnen von Institutionen erfolgen, die die Macht haben, Kinder aus der Familie zu nehmen. Kinder müssen daher die Möglichkeit haben, in einer nicht-bedrohlichen Situation, in der sie sich sicher und unterstützt fühlen, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Es ist wichtig, langsam ein Vertrauensverhältnis und eine tragfähige Beziehung zu ihnen aufzubauen und es muss vermieden werden, die Kinder „auszufragen“ oder gar die erhaltenen Informationen gegen die Mutter oder die Kinder zu verwenden. Dies würde das Familiensystem nicht stärken, sondern schwächen. Es muss auch bedacht werden, dass Kinder sich in Gefahr bringen können, wenn sie über die Gewalterfahrungen sprechen. Von Kindern wird oft ausgesprochen oder unausgesprochen verlangt, dass sie schweigen. Die gewalttätigen Väter drohen mit Gewalt oder misshandeln Kinder sogar, wenn sie das Schweigeverbot brechen. Häufig werden Kinder auch mit der Drohung eingeschüchtert, sie würden in ein Heim oder der Vater würde ins Gefängnis kommen, wenn sie etwas erzählen. Eine weitere Erfahrung der Wiener Interventionsstelle in der Arbeit mit den Kindern ist, dass sich Mütter nach einem Gewaltvorfall in einem Stresszustand befinden und dass ihnen die Energie fehlt, auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Die Mitarbeiterin, die mit den Kindern arbeitet, kann hier behutsam als „Mediatorin“ wirken und der Mutter helfen, die Bedürfnisse der Kinder besser wahrzunehmen. Wenn es zu Konflikten zwischen der Mutter und den Kindern kommt, etwa weil die Mutter sich trennen möchte, die Kinder aber wollen, dass der Vater nach Hause zurückkommt oder umgekehrt, ist es enorm notwendig, dass eine Vertrauensperson hilft, diesen Konflikt zu bearbeiten. Schließlich ist es für Kinder und Jugendlichen auch sehr wichtig zu erleben, dass gewalttätige Väter mit ihren Handlungen konfrontiert werden. Von gewalttätigen Vätern muss verlangt werden, dass sie die Gewalthandlungen sofort einstellen und ihr Gewaltproblem bearbeiten (dies wäre auch eine wichtige Aufgabe der Jugendwohlfahrt - siehe nächster Abschnitt).
Sicherheitsplanung Sicherheitsplanung ist eine zentrale Methode der Arbeit mit den von Gewalt betroffenen Frauen und Kindern. Sicherheitsplanung ist keine einmalige Sache, sondern muss laufend und in allen Phasen erfolgen - während Mutter und Kinder noch mit dem gewalttätigen Vater zusammen leben, während der