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Der Blick der Forschung

Detailauswertungen nach Geschlecht und Alter fördern weitere interessante Unterschiede zu Tage. Im Vergleich zu den Jüngeren halten die 15- bis 17-Jährigen Gesprächsmöglichkeiten mit der Mutter eindeutig für einfacher, wobei Mädchen der Mutter gegenüber skeptischer sind als Jungen. Der Vater ist in den Augen der Mädchen klar keine Ansprechperson. Wieder nehmen Jungen über alle Altersgruppen hinweg geringere Hürden wahr. Des Weiteren weist die Auswertung nach kultureller Herkunft und Geschlecht interessante Ähnlichkeiten und Unterschiede auf. Die Geschwister sind aus Sicht der Befragten für alle Kinder und Jugendlichen - unabhängig von Geschlecht und Herkunft - am wichtigsten. Für die Zugewanderten hat die Mutter eine ausgesprochen hohe Bedeutung und erhält den zweiten Platz. Für Jungen - unabhängig, ob zugewandert oder nicht - sind die Mütter und die Grosseltern die bevorzugten Ansprechpersonen. Im Bereich der formellen Unterstützungsmöglichkeiten wird das Sorgentelefon, das eine anonyme Telefonhilfe bietet, als vergleichsweise niederschwellig wahrgenommen - dies lässt sich an der Belegung des vierten Ranges ablesen. Die Option, mit LehrerInnen über die familiären Probleme zu sprechen, betrachtet die Mehrheit mit großer Skepsis: nur 12 Prozent halten es für einfach, hingegen würde es die Hälfte schwierig finden und jede/r Vierte hat eher Bedenken (Rang 8).

Barrieren und Ambivalenzen im Zugang zu Hilfe und Unterstützung Wie die Ergebnisse zeigen, ziehen die befragten SchülerInnen Ansprechpersonen sozialer Netzwerke und formeller Stellen nicht in gleicher Weise in Betracht. Weitere Fragen erlaubten, mögliche Hindernisse für betroffene Kinder und Jugendliche, mit jemandem über die Gewalt in der Elternbeziehung zu sprechen, zu eruieren. Aus einer Liste von sieben Items sollten die Befragten die zwei wichtigsten Gründe wählen, die ihrer Meinung nach die Thematisierung erschweren könnten. Es bestand auch die Möglichkeit, die Liste durch einen weiteren Grund zu ergänzen. Zweifel an der vertraulichen Behandlung der Informationen, Sorge um das Image der Familie und die Vorstellung, dass es sich bei häuslicher Gewalt um ein privates Problem handelt, sind die vordringlichsten Gründe, die aus Sicht der SchülerInnen die Betroffenen davon abhalten könnten, über die familiären Gewaltverhältnisse zu sprechen (Tabelle 1). Auch wenn sich beide Geschlechter über die wichtigsten Hinderungsgründe einig sind, zeigt die Auswertung nach Geschlecht interessante Unterschiede. Jungen befürchten eindeutig häufiger als Mädchen einen Imageverlust der Familie, sollte die Gewaltproblematik nach außen dringen, auch betrachten sie das Problem stärker als familieninterne Angelegenheit, die „niemand etwas angeht“. Für Mädchen stehen deutlich häufiger Ängste vor der Unberechenbarkeit der Re-