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Der Blick der Forschung
Um eine adäquate Gesundheitsversorgung für gewaltbetroffene Frauen zu gewährleisten sind neben den konkreten Handlungsanweisungen weitere Maßnahmen innerhalb eines Krankenhauses erforderlich, um eine institutionelle Berücksichtigung der Gewaltproblematik zu erzielen (Hellbernd/Brzank et al. 2004). Zu den zentralen Bestandteilen gehören Fortbildungen für Gesundheitsfachkräfte, um Sensibilität, Sicherheit und Kompetenz im Umgang mit gewaltbetroffenen Frauen zu erlangen.42
Ausblick Schwangerschaft und Geburt sind generell Zeiten besonderer Veränderung. Erkenntnisse aus Ländern, in denen seit längerem Interventionsprojekte gegen häusliche Gewalt in Gesundheitseinrichtungen etabliert sind, zeigen, dass mit Gewalt konfrontierte Frauen den Wunsch haben, das neugeborene Kind zu schützen und offen sind für Veränderungen (Holmes/Mayer 2003). Während der Schwangerschaft und Geburt besteht aufgrund des häufigen Kontakts mit medizinischen Einrichtungen die besondere Möglichkeit, dass sich eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Gesundheitsfachkräften und der Patientin entwickelt. Eine stärkere Einbeziehung sozialer Dienste und gesundheitlicher Einrichtungen kann zu einer verbesserten Unterstützung für gewaltbetroffene Frauen führen. Der Umgang mit Frauen nach Gewalterfahrung erfordert neben Fachwissen und Einfühlungsvermögen ebenfalls ein hohes Maß an interdisziplinärem Austausch und eine Koordination der Fachpersonen im Betreuungs- und Behandlungsbereich. Die Zeit vor und nach der Geburt kann zu einer engen Zusammenarbeit von Kinderärzten/innen, Allgemein- und Hausärzten/innen, Gynäkologen/innen und Hebammen führen, um Interventions- und Präventionschancen verstärkt zu nutzten. Eine adäquate Unterstützung im Interesse der Patientin bedarf weiter einer stärkeren Kooperation und Vernetzung mit sozialen Unterstützungsangeboten. In vielen Bundesländern liegen mittlerweile Leitfäden für Gesundheitsfachkräfte vor, die Interventionsschritte im Fall von körperlicher, sexueller und psychischer Gewalt gegenüber Frauen und den respektvollen Umgang mit ihnen beschreiben.43 Es ist zu wünschen, dass diese Empfehlungen zukünftig eine stärkere Beachtung finden und als neue Versorgungsstandards etabliert werden.
42 Zur Implementation von spezifischen Interventionsprogrammen liegen Arbeitsmaterialien vor (vgl. Brzank P (2005). Häusliche Gewalt gegen Frauen: gesundheitliche Versorgung. Das S.I.G.N.A.L.-Interventionsprogramm. Materialien zur Implementierung von Interventionsprogrammen. Berlin. Gefördert mit Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. www.signal-intervention.de) 43
www.frauengesundheit-nrw.de