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Der Blick der Forschung
al. 2003, Lieberman et al. 2005). Im Ergebnis zeigen die vorliegenden Befunde zunächst einmal, dass eine erstaunlich hohe Anzahl der von Partnergewalt betroffenen Mütter noch die Stärke zu einem weitgehend unauffälligen Fürsorge- und Erziehungsverhalten aufbringt, d.h. deutliche Beeinträchtigungen des Erziehungsverhaltens fehlen vielfach. Dies muss allerdings leider nicht bedeuten, dass die Mütter in der Lage sind, durch ihre Fürsorge und Erziehung Belastungen ihrer Kinder durch miterlebte Partnergewalt auszugleichen oder negative Entwicklungsdynamiken zu unterbrechen. Darauf deutet etwa der Befund hin, dass kindliche Verhaltensproblemen teilweise auch nach einem Ende der Gewalt in chronifizierter Form fortbestehen (z.B. Ware et al. 2001). Weiterhin gibt es auch eine Minderheit von Partnergewalt betroffener Mütter, bei denen sich deutliche Beeinträchtigungen im Erziehungsverhalten zeigen, die dann auch zu kindlichen Entwicklungsbelastungen beitragen. Hier kommt es etwa zu einer erhöhten Ungeduld und Aggressivität gegenüber dem Kind (z.B. Moore & Pepler 1998) oder die Aufmerksamkeit und Beständigkeit gegenüber emotionalen Bedürfnissen des Kindes ist erheblich herabgesetzt. Letzteres zeigt sich vor allem bei Müttern, die in Folge der erfahrenen Gewalt eine posttraumatische Belastungsstörung ausbilden (für eine Forschungsübersicht zur Häufigkeit von posttraumatischen Belastungsstörungen nach Partnergewalt siehe Jones et al. 2001). Posttraumatische Belastungsanzeichen und erhöhte Aggressivität gegenüber Kindern klingen meist nach einem Ende der Gewalt allmählich wieder ab (z.B. Holden 1998, Taft et al. 2005). Dies bedeutet, dass manche Mütter, während sie Gewalt erleben, von Außen betrachtet in ihrer Erziehungsfähigkeit deutlich eingeschränkt erscheinen. Jedoch handelt es sich vielfach um eine nur vorübergehende Einschränkung, die durch Unterstützung bei der Beendigung der Gewalt und geeignete Hilfe zur Erziehung (z.B. Jouriles et al., 2001) wieder ausgeglichen werden kann. Insgesamt bieten die vorliegenden Befunde keine Grundlage für eine generelle Defizitperspektive auf das Fürsorge- und Erziehungsverhalten von Müttern, die Partnergewalt erfahren mussten, auch wenn Einschränkungen der Erziehungsfähigkeit teilweise auftreten und zu Beeinträchtigungen kindlicher Entwicklung beitragen. In mehr als einem Dutzend Studien wurden schließlich direkte Auswirkungen eines Miterlebens von Partnergewalt auf die Befindlichkeit und Entwicklung von Kindern untersucht. Zunächst zeigte sich hierbei, dass die (wahrgenommene) Bedrohung oder Verletzung einer engen Bezugsperson bei Kindern nahezu durchgängig erheblichen Stress erzeugt. Dies wird unter einer bindungstheoretischen Perspektive verständlich, nach der die Zugänglichkeit ihrer Bindungspersonen für Kinder ein zentrales Merkmal ihrer erlebten inneren emotionalen Sicherheit ausmacht. Einschränkungen oder Bedrohungen einer Bindungsbeziehung rufen entsprechend massive Gefühle hervor, wobei heftige Streitigkeiten der Eltern oder Gewalt gegen Mutter bzw. Vater als Bedrohung der Bindungsbeziehungen erlebt werden, die ein Kind mit seinen Möglichkeiten kaum abwehren kann. Kinder „gewöhnen“ sich auch nicht an