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Der Blick der Forschung
etwa Misshandlung oder Vernachlässigung, die Suchtkrankheit eines Elternteils oder wiederholte Trennungserfahrungen (für eine Forschungsübersicht siehe Kindler 2002). Für fast jeden dieser Faktoren existiert eine umfangreiche Forschung, die Hinweise auf eine ursächliche Belastungswirkung im Hinblick auf kindliche Entwicklung zusammengetragen hat (z.B. Kindler im Druck-a, im Druck-b, im Druck-c). Zudem waren in vergleichenden Studien Kinder, die neben Partnergewalt noch weitere Belastungen erleben mussten, im Mittel belasteter als Kinder, die Partnergewalt aber keine andere Belastungen erlebt hatten. Auch miterlebte Partnergewalt als einziger oder gesondert betrachteter Belastungsfaktor ging jedoch im Mittel mit bedeutsamen Beeinträchtigungen kindlicher Entwicklung einher (z.B. Yates et al. 2003). Dies bedeutet, dass miterlebte Partnergewalt für die Jugendhilfe und Familiengerichtsbarkeit, die beide dem Kindeswohl verpflichtet sind, als eigenständig beachtenswerter Belastungsfaktor von Bedeutung ist. Darüber hinaus kann es aber sein, dass Kinder, die Partnergewalt erleben mussten, auch aufgrund weiterer Belastungserfahrungen der Hilfe und Unterstützung bedürfen. Eine Erörterung möglicher genetischer Einflüsse wird in der sozialen Arbeit häufig mit Misstrauen betrachtet, weil manche Vertreter der Verhaltensgenetik einen genetischen Reduktionismus vertreten haben (für eine Kritik siehe Maccoby 2000) und aus dem Nachweis genetischer Einflüsse manchmal fälschlich auf eine Sinnlosigkeit sozialpädagogischer oder psychologischer Hilfe geschlossen worden ist (zur Begründung warum dies nicht der Fall ist siehe Gottesman & Hanson 2005). Auf der anderen Seite stellt die Verhaltensgenetik die seit langer Zeit wissenschaftlich ernsthafteste Herausforderung für gesellschaftlich verbreitete Annahmen über die Wirkung ungünstiger Umstände des Aufwachsens dar (z.B. Plomin 1994), bietet zugleich aber auch die Chance, auf einer neuen Ebene empirische Argumente für eine ursächliche Wirkung belastender Erfahrungen zu finden. Im Hinblick auf die Wirkung von Kindesmisshandlung ist dies etwa gelungen (z.B. Jaffee et al. 2004). Im Hinblick auf die Wirkung von miterlebter Partnergewalt liegen erst wenige verhaltengenetisch orientierte Studien vor, die aber darauf hindeuten, dass Belastungswirkungen miterlebter Partnergewalt auch unabhängig von genetischen Faktoren bestehen (Jaffee et al. 2002, Koenen et al. 2003). Diese Befunde sollten den gesellschaftlichen Konsens über Partnergewalt als ernstzunehmenden Belastungsfaktor im Leben von Kindern stärken. Schwer belastende Erfahrungen können einen Niederschlag in (zeitweiligen oder dauerhaften) Veränderungen in der Physiologie und Gehirnentwicklung finden (für Forschungsübersichten siehe Grossman et al. 2003, van Voorhees & Scarpa 2004). Im Fall von Kindern, die bereits in der frühen Kindheit wiederholt Partnergewalt miterleben mussten, wurden bislang Veränderungen im Stresshormonsystem und in der Selbstregulation des autonomen Nervensystems nachgewiesen (z.B. El-Sheikh et al. 2001, Saltzman et al. 2005). Falls diese Veränderungen über längere Zeit andauern, könnten sie nicht nur Energien binden, die andere Kinder für Lernen und Entwicklung