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6.6.3.1Primärperspektive Interviewstruktur: Das Fünfphasenmodell des systemischen Interviews Das von der ursprünglichen Mailänder Gruppe entworfene Phasenmodell des systemischen Interviews strukturiert den Prozess, den das Unterstützungssystem während einer Sitzung durchläuft (vgl. Tomm 1984, 1994).

  1. Phase: Sie beginnt mit der Anmeldung der zu diesem Zeitpunk noch potenziellen Auftraggeberinnen. Die dabei erhaltenen Informationen dienen dem Team als Grundlage für die Bildung von ersten Hypothesen über die Familie und ihre kommunikative Bindung an das benannte Problem. Ohne eine fundierte Theorie über das System Familie, seine Kontexte, Organisationsmuster und Dynamik hätte die Hypothesenbildung gerade in dieser Anfangsphase wenig Grundlage. Dazu gehört auch eine professionelle, theoriegeleitete Fragehaltung seitens des Teammitglieds, das die Anmeldung entgegennimmt. So wird schon das Anmeldungsgespräch am Telefon zu einem ersten systemischen Interview. Die hier gestellten Fragen müssen sich gezielt auf Informationen richten, die für die anfängliche Hypothesenbildung wichtig sind: Daten für die Erstellung eines ersten Genogramms, Hinweise auf die Zusammensetzung der aktuellen Familie („Wer wohnt unter dem gemeinsamen Dach, wer direkt daneben?“), eine kurze Problembeschreibung und Informationen zum Überweisungskontext.
  2. Phase: Die Familie und möglichst zwei Mitglieder des Hypothesen bildenden Teams führen ein Gespräch mithilfe der bisher beschriebenen Methoden und Richtlinien. Hinter dem Einwegspiegel wird es von anderen Teamkolleginnen verfolgt.
  3. Phase: Nach ca. einer Stunde wird das Gespräch durch eine Pause unterbrochen. Die Teammitglieder besprechen den bisherigen Verlauf und passen die ersten Hypothesen den neu gewonnen Informationen an. Auf deren Grundlage entwerfen sie einen Abschlusskommentar und eventuell eine „Hausaufgabe“. Die Familie kann die Pause frei nutzen. Möglicherweise sprechen sie miteinander über das bisherige Interview, andere Themen, oder die Mitglieder separieren sich voneinander.