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6.6.1.1.1 Typus der Fragen Hier lassen sich lineare (Tomm 1994 nennt sie „lineale“) und zirkuläre Fragen unterscheiden. Bei dieser Zuordnung geht es nicht um die Absicht der Fragerin, sondern um die Festlegung auf eine bestimmte Sicht der Wirklichkeit, auf deren Basis die Frage formuliert wird.
Lineare Fragen gehen von klaren und eindeutigen Zuordnungen aus: wenn – dann, vorher – nachher, entweder – oder, oben – unten, gut – schlecht, ja – nein. Es gibt entweder das eine oder das andere. Max kann nicht gleichzeitig Karl sein und eine Mutter nicht gleichzeitig der Vater; man ist entweder 27 oder 30 Jahre alt und entweder Mann oder Frau. Linearen Fragen liegt eine digitale Sicht der Wirklichkeit zugrunde, sie zielen auf harte Daten und eindeutige Informationen. Zirkuläre Fragen zielen auf komplexe und mehrdeutige Informationen. Sie basieren auf einer analogen Sicht der Wirklichkeit, die jedes Ereignis als mehrdeutigen Knoten in einem Netzwerk von Beziehungen und Bedeutungen versteht. Es geht nicht um eindeutige Aussagen über Ursache und Schuld, den definierbaren Anfang und die klar feststellbare Folge. Aus dem Entweder-oder wird ein Sowohl-als-auch, und das Tun des einen wird zum Tun des einen und des anderen. Mithilfe zirkulärer Fragen lassen sich die Beziehungsnetzwerke und die zwischen den Interaktionspartnerinnen stattfindenden kommunikativen Rückkoppelungsprozesse rekonstruieren. Sie zielen primär auf Beziehungsmuster und die Wege des kommunikativen Austausches ab. Im Vordergrund stehen Formen der Kommunikation, nicht ihre Inhalte. Diese sind im Kontext des zirkulären Fragens vor allem als Vermittlerinnen von Beziehungsprozessen, also erst in zweiter Linie, wichtig. Das entscheidende formale Muster der zirkulären Frage besteht darin, dass immer eine Person über eine andere bzw. die Beziehungen zwischen anderen Personen befragt wird und nicht über sich selbst. Das erste Mailänder Team hat diesen