2026-001/documents/theory/diagnostics/systemische-modelle-soziale-arbeit/pages/060.md

1.9 KiB
Raw Blame History

sowohl den Minderheitsgruppen als auch der Mehrheit zugute kommen. Seit den Siebzigerjahren wurde der Begriff der Rückkoppelung in der systemischen Familientherapie zugunsten des Begriffs der Zirkularität in den Hintergrund gedrängt. Ausgangspunkt dieser Entwicklung war der berühmte Aufsatz der Mailänder Gruppe unter dem Titel Hypothetisieren Zirkularität Neutralität: Drei Richtlinien für den Leiter der Sitzung (Selvini Palazzoli et al. 1981). Meines Erachtens wird das Konzept des Feedbacks dadurch an einigen Punkten geschärft und erweitert. Der Begriff der Zirkularität betont die theoretisch unendliche Vielzahl möglicher Rückkoppelungsschleifen zwischen allen Mitgliedern eines Systems. Des Weiteren beleuchtet er sehr viel schärfer die Verbindung aller Mitglieder des Systems über direkte und indirekte Interaktionen. Wenn in einem aus A, B und C gebildeten System nur A und B in eine direkte Interaktion miteinander eintreten, werden Informationen über die Interaktionsschleifen zwischen A und B auch von C empfangen, und zwar über die Beziehungen A C und B C. Die Beziehung zwischen A und B hat also indirekte Folgen für die Beziehungen zwischen A und C, B und C und damit auch für C selbst. Wenn in einer aus pubertierender Tochter, Mutter und Vater bestehenden Familie der Vater die Mutter attackiert (Beziehung A B), kann die Tochter (C) die Angst der Mutter im Kontext ihrer gemeinsamen Beziehung wahrnehmen und nun ihrerseits den Vater provozieren, um ihn von der Mutter abzulenken. Sie wählt dazu vielleicht ein Verhalten, von dem sie aus der Beziehung zu ihm weiß, dass es einen raschen Aufmerksamkeitswechsel seinerseits hin zu ihr zur Folge hat. Das könnte z. B. eine leicht hingeworfene Bemerkung über einen neuen Freund sein, mit dem sie sich heute Abend treffen wird, obwohl ihr am nächsten Tag eine schwere Klassenarbeit bevorsteht. Vater und Mutter