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282 Die Pädagog*innen wachen eifersüchtig über die Therapeutin, der Laura von den sexuellen Gewalterfahrungen erzählt hat. Der Erziehungsleiter ist von dieser genervt, weil die schon wieder, und zwar in Unkenntnis der Rechtslage, die Besuche des Kindes in der Herkunftsfamilie unterbrechen will. Der Leiter der Einrichtung will das Jugendamt nicht mit Forderungen einer familienrechtlichen Klärung verprellen etc.

Wer kennt diese Konflikte nicht zur Genüge? Die Notwendigkeit der Reflexion gilt also auch für die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Funktionsgruppen: Alle haben Gründe für ihr Verhalten. Gründe, die dann besprechbar sind, wenn durch die Reflexion von Gegenreaktionen wie z. B. Retterfantasien u. a. Kopf und Herz frei werden, um die unterschiedlichen Anliegen respektieren und im Handeln frei werden zu können.

Institutionelle Handlungsunfähigkeit

Zu den benannten Phänomenen kommen noch andere Hindernisse hinzu. Das Fachwissen ist ausreichend. Solange jedoch die institutionelle Antwort auf dieses Wissen ausbleibt, es in den Einrichtungen keine Konzepte gibt, die Handlungssicherheit vermitteln, bleibt es den einzelnen Pädagoginnen überlassen, wie sie z. B. die Erfahrungen körperlicher, sexueller Gewalt und häusliche Gewalt und die Trennungserfahrungen der Mädchen und Jungen in Hilfeplanung und Pädagogik umsetzen. Sie sind auf sich alleine gestellt, wie die Kinder früher auch. Sie sind isoliert, wie das Kind damals auch. So kann es geschehen, dass die Protagonistinnen dieser Themen sich plötzlich im Abseits befinden, weil das Team oder die Institution abwehren. Oder diese Auseinandersetzung wird an eine Kollegin delegiert. Möglicherweise wird diese/r dann zur Spezialistin mit dem Spezialgebiet Schrecken und Dreck mit allen negativen Auswirkungen. Alle in dieser Arbeit Tätigen kennen derartige Belastungen aus Helferkrisen, die durch Abwehr verursacht werden. Viele Bezugspersonen klagen über zu geringe Möglichkeiten zur Reflexion, sie unterhalten sich sehr selten über Pädagogik